• Sklaverei: Entschädigung oder Entschuldigung - US-Kongress berät über Umgang mit den Folgen

Politik : Sklaverei: Entschädigung oder Entschuldigung - US-Kongress berät über Umgang mit den Folgen

Der US-Kongress in Washington hat mit Beratungen über eine offizielle "Entschuldigung" für die Sklaverei begonnen. Der demokratische Abgeordnete Tony Hall stellte einen entsprechenden Gesetzentwurf vor, in dem die Folgen der vor 135 Jahren in den USA zu Ende gegangenen Sklaverei bedauert werden.

Die Regierung müsse aus moralischen Gründen für das Unrecht an den Millionen verschleppten und versklavten Afrikanern einstehen, sagte Hall. Nur so könnten sich die Rassen versöhnen. Eine Expertenkommission solle die sozialen Langzeitwirkungen der Sklaverei untersuchen. Nach Angaben der US-Regierung verdienen Schwarze auch heute noch durchschnittlich nur etwa 55 Prozent des Einkommens von Weißen.

Die Sklaverei wurde in den britischen Kolonien in Nordamerika und später in amerikanischen Bundesstaaten von 1619 bis zum Ende des Bürgerkrieges im Jahr 1865 praktiziert. Die USA müssten diesen Fehler eingestehen, betonte Hall. So habe sich der US-Kongress 1988 auch bei den im Zweiten Weltkrieg internierten US-Bürgern japanischer Abstammung entschuldigt und Wiedergutmachung gezahlt.

Der Bürgerrechtler Martin Luther King (1929-1968) hatte bereits 1963 Entschädigungen für die Nachkommen der Sklaven verlangt. Aber erst im Jahr 1989 stellte der Kongressabgeordnete John Conyers erstmals einen Gesetzentwurf vor, nach dem Entschädigungszahlungen von einem staatlichen Ausschuss geprüft werden sollten. Der renommierte Anti-Apartheid-Aktivist Randall Robinson, der Präsident des Verbandes "Transafrika", forderte Ende vergangenen Jahres in einem viel beachteten Buch erneut Entschädigungen. Die Regierung müsse zumindest Initiativen zur Förderung afro-amerikanischer Einrichtungen finanzieren.

Bei einer Umfrage im Jahr 1997 sprachen sich 88 Prozent der Weißen gegen solche Ansinnen aus. Amerika habe sich bereits mit dem Bürgerkrieg von der Sklaverei abgewendet, sagte Präsident Bill Clinton vor zwei Jahren. Man müsse jetzt in die Zukunft blicken.

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