Politik : SLOWENIEN

Matthias Meisner

Als „Musterschüler vom Balkan“ ist Slowenien angetreten. Die kleine Republik, etwa so groß wie Sachsen-Anhalt, war schon zu Titos Zeiten der wohlhabendste Landesteil des damaligen Vielvölkerstaates. Nach der Unabhängigkeit 1991 vollzog das Land eine konsequente Abgrenzung zu den ehemaligen „Bruderstaaten“. Während die in Krieg und Chaos versanken, orientierte sich Ljubljana Richtung Westen.

Als erstes und bisher auch einziges Land des früheren Jugoslawiens konnte Slowenien der EU beitreten. Und es wird auch als erstes der neuen EU-Länder offiziell der Eurozone beitreten – von 2007 an wird die europäische Währung in Slowenien gelten. Seit dem Beitritt zur EU 2004 ist es Slowenien gelungen, die Inflationsrate stabil zu halten – lange Zeit störte sie die ansonsten glänzende Bilanz des Landes. Auch deshalb sind die Slowenen im Großen und Ganzen zufrieden mit dem Beitritt zur Gemeinschaft. 90 Prozent der Bevölkerung hatten sich zuvor in einem Referendum dafür ausgesprochen, zwei Jahre später würden laut Umfragen noch mehr als 80 Prozent der Bevölkerung so entscheiden, immerhin. Die Änderungen, sagen die Menschen, seien kaum bemerkbar. Und nur mancher sorgt sich, mit dem Argument, das kleine Land sei in der EU kaum erkennbar.

Slowenien konnte seinen Weg auch deshalb so ungehindert verfolgen, weil es die ethnisch geschlossenste Republik Jugoslawiens war. Zwar marschierte einen Tag nach der Unabhängigkeitserklärung am 25. Juni 1991 die jugoslawische Volksarmee ein, zog sich aber schon nach zehn Tagen wieder zurück. Die Rechnung, die Teilrepublik rasch anzuerkennen, hat sich hier ausgezahlt.

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