Politik : So machen’s alle

Politikberater stehen in der Kritik. Ein Kongress in Berlin zeigt: Politiker glauben, ohne sie nicht mehr auskommen zu können

Jan Dörner

Der Zuchtmeister also. „Franz Müntefering ist der Zuchtmeister der SPD“, sagt Michael Glos. Das hält der wortgewaltige CSU-Politiker für das bekannteste Klischee über den SPD-Fraktionschef. „Politik ist ein Handwerk“, entgegnet Müntefering. „Und dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit professionellen Agenturen und Beratern.“ Da er im Fernsehen immer so grob rüberkomme, habe er einen Experten gefragt, wie er sich ändern könnte, erzählt der Mann mit dem harten westfälischen „R“. „Er riet mir, meinen Stil zu behalten – so einen brauche jede Partei.“ Ein Klischee sei „eben auch ein Orientierungsrahmen“, stimmt Industriepräsident Michael Rogowski zu.

Glos, Müntefering, Rogowski: Allen dreien begegnen immer wieder Klischees über ihre Person. Auf dem „Politikkongress 2003“ diskutierten sie am Dienstag in Berlin, was sie davon haben – und was nicht. Die Veranstalter wollten „führende Köpfe“ der politischen Kommunikation miteinander ins Gespräch bringen. Die Politikberatung ist in Deutschland noch relativ neu, doch schon hat sie ein zweifelhaftes Image. Arbeitsamtschef Florian Gerster wird kritisiert wegen der Verpflichtung einer Medienberatungsfirma. Rogowski verteidigt nicht, unter welchen Umständen Gerster die Firma engagiert hat, sagte jedoch: „Man darf Gerster nicht kritisieren, weil er unternehmerisch gehandelt hat.“ Ein Unternehmen brauche nun mal Marketing.

Die professionelle Beratung von Politikern kommt aus den USA und Großbritannien. In Deutschland bediente sich Gerhard Schröder erstmals im Wahlkampf 1998 der Hilfe von Politikberatern, die er in der „Kampa“ mitarbeiten ließ. Im letzten Wahlkampf bekam sein Konkurrent Edmund Stoiber ein neues Image verpasst.

Die Gesellschaft komme ohne Leute, die professionell Kommunikation betreiben, nicht mehr aus, sagt Müntefering: „Alle Parteien benutzen Agenturen, das ist ein Teil der Wahrheit.“ Da protestiert Glos: „Ich war noch nie bei einem Imageberater. Aber ich gelte auch als beratungsresistent.“

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