Politik : So reich – und doch so arm

Judith Reker

Als die belgischen Kolonialherren einst den Reichtum an Bodenschätzen in ihrer afrikanischen Kolonie entdeckten, sprachen sie ungläubig von einem „geologischen Skandal“. Mit gewaltigen Reserven an Diamanten, Kupfer, Kobalt, Coltan, Eisenerz, Germanium, Gold, Mangan, Silber, Uran, Zink, Zinn, Erdöl, Erdgas und Steinkohle zählt die Demokratische Republik Kongo zu den rohstoffreichsten Ländern der Erde. Der industrielle Sektor hat sich vor allem um die Verarbeitung der zahlreichen Bodenschätze entwickelt. Bis Anfang der neunziger Jahre war Kupfer das wichtigste Exportgut , welches die Hälfte der jährlichen Erlöse einbrachte. Heute steht der Handel mit Diamanten, Rohöl, Kobalt und Kaffee im Vordergrund, wobei die Europäische Union wichtigster Geschäftspartner des Landes ist. Die Entwicklung des Bergbau- und Erdölgeschäfts hängt im Kongo stark von Konzernen und Experten aus westlichen Industrienationen, Südafrika und Simbabwe ab. Der Gegensatz zwischen dem wirtschaftlichen Potenzial des Kongo und der sozialen Wirklichkeit des Landes könnte nicht größer sein: Obwohl die Republik die meisten Bodenschätze des afrikanischen Kontinents besitzt, gehört sie zu den ärmsten Ländern der Welt . Das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung liegt bei etwa 100 Euro. Die meisten der rund 60 Millionen Einwohner leben von der Landwirtschaft. S.K.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben