Sören Brinkmann, Eta-Experte : "Die Eta hat eine Lücke gefunden"

Politikwissenschaftler und Eta-Experte Sören Brinkmann über den Bombenanschlag auf Mallorca, die vermutete Schwäche der Terrororganisation und Gefahren für Urlauber.

Christian Tretbar
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Politikwissenschaftler und Eta-Experte Sören Brinkmann - Foto: promo

Herr Brinkmann, auf Mallorca gab es einen Bombenanschlag. Die baskische Terrororganisation Eta wird dahinter vermutet. Könnte das zutreffen?



Es deutet zumindest sehr viel darauf hin. Das Ziel, die Guardia Civil, und die Art des Anschlags, eine Autobombe, sind typisch für die Eta.

Aber von Mallorca kennt man diese Form des Terrors bisher nicht?

Es gab zwar immer mal wieder kleinere Anschläge, aber das ist zumindest jetzt der erste wirklich größere, bei dem es auch Tote gab. Normalerweise passieren Anschläge wie diese auf dem spanischen Festland, vor allem im Baskenland. Aber die Eta scheint mit Mallorca eine Lücke gefunden zu haben, in der sie mehr Aktionsspielraum hat. Schließlich steht die Eta seit einiger Zeit unter massiven Druck, weil die Polizeiarbeit sehr effizient geworden ist - auch durch enge Kooperationen zwischen der spanischen und der französischen Polizei. Dadurch gab es viele Verhaftungen. Mallorca könnte nun ein Ausweichort für die Terrororganisation sein, zumal ein sehr sensibler durch den Tourismus. Zu erwarten war diese Entwicklung auf jeden Fall nicht, weil nicht viel auf einen Anschlag auf den Balearen hingedeutet hat.

Muss man sich jetzt Sorgen machen, wenn man auf Mallorca Urlaub machen will?

Das ist schwer einzuschätzen. Die Sicherheitskräfte sind durch diesen Anschlag auf jeden Fall gewarnt. Außerdem sind Touristen nicht das klassische Ziel der Eta. Aber natürlich besteht auch für Urlauber die Gefahr, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort sein können und so als Passanten in einen Anschlag verwickelt werden können. Aber das Urlauber selbst zum Ziel von Anschlägen werden, halte ich für relativ ausgeschlossen.

Vor wenigen Tagen gab es bereits im nordspanischen Burgos ein Attentat. Todesopfer gab es zwar nicht, aber einige Verletzte. Ist das ein Zeichen dafür, dass die Eta wieder erstarkt ist?

Eher nicht. Vielmehr ist es erstaunlich, dass die Terrororganisation überhaupt in der Lage ist, solche Anschläge durchzuführen. Denn durch die vielen Festnahmen und einem bröckelnden Rückhalt in der Bevölkerung galt die Eta eher als geschwächt. Doch diese Entwicklungen zeigen auch, dass der Terror mit Polizeimaßnahmen allein nicht zu bekämpfen ist.

Sören Brinkmann ist Politikwissenschaftler und Eta-Experte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Das Gespräch mit ihm führte Christian Tretbar.

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