Politik : „Solange Gott das will“

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Von Thomas Migge, Rom

Tritt er nun zurück oder nicht? Und wenn ja, wann wird er diesen historischen Schritt tun? In den vergangenen Tagen haben gleich zwei Kardinäle zu diesem Thema Stellung bezogen. Der oberste Glaubenshüter Kardinal Josef Ratzinger sagte der „Münchner Kirchenzeitung“: „Wenn der Papst sehen würde, dass er absolut nicht mehr kann, dann würde er sicher zurücktreten.“ Auch Oscar Rodriguez Maradiaga, Kardinal aus Honduras, sagte am Mittwoch in Rom, dass „der Papst anhalten wird, wenn er spürt, dass er nicht mehr weitermachen kann“.

Worte, die für Aufsehen sorgen. Aber auch Worte, für die es keine Schelte aus der römischen Kurie gibt. Als vor zwei Jahren der Präsident der deutschen Bischofskonferenz Ähnliches äußerte, wurde er von Rom noch heftig kritisiert. „Ich bleibe in meinem Amt“, sagte damals der Papst, „solange Gott das will“. Doch in den vergangenen Monaten hat sich sein Gesundheitszustand gravierend verschlechtert. Als er am Samstag seinen 82. Geburtstag mit einer Massenaudienz im Vatikan feierte, konnte der Papst zum ersten Mal einen großen Teil seiner Rede nicht selbst verlesen. Vor etwa 7000 Schülern trug er nur Anfang und Ende seiner auf Italienisch verfassten Grußbotschaft vor, den Mittelteil übernahm ein Priester. Bei Auslandsreisen sei dies in letzter Zeit üblich gewesen, bei Reden auf Italienisch noch nie, so ein Vertreter des Vatikans. Fachärzte befürchten, die Atemmuskeln des Papstes könnten von der parkinsonschen Krankheit betroffen sein.

Um die Rücktrittspekulationen dennoch zu entschärfen, startete das vatikanische Presseamt pünktlich zum 82. Geburtstag eine Gegenoffensive. Johannes Paul II., verkündete Papstsprecher Joaquin Navarro Valls, halte an seinen sechs Auslandsreisen nach Aserbaidschan und Bulgarien, nach Kanada, Mexiko, Guatemala, Polen und Kroatien fest. Gleichzeitig, so wurde ebenfalls bekannt, stehen alle technischen Hilfsmittel bereit, um die Mobilität des Papstes auf diesen Reisen zu gewährleisten. Weil Karol Wojtyla nur noch unter großen Mühen Treppen steigen kann, wird er zukünftig mit einem Hebegerät in Flugzeuge gehievt. Auf Reisen wird ihn nicht nur das „Papamobile“ begleiten, sondern auch ein „Pedana mobile“, ein dreistufiges Trittbrett, auf dem Wojtyla durch Gotteshäuser geschoben werden kann.

Die römische Tageszeitung „La Repubblica“ meldet, dass der Papst in diesem Jahr nicht zu seinen Sommerferien in das Aostatal aufbrechen wird. Inoffiziell heißt es, Johannes Paul II. habe keine Zeit, um Ferien zu machen, er bereite sich auf seine Reisen vor. Der Papst sei geistig so fit, versichert Nikola Kaludov, Bulgariens Botschafter am Heiligen Stuhl, dass „er derzeit mit einem Lehrer Bulgarisch studiert, um sich in Sofia in der Landessprache zu verständigen“.

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