Soldatenfriedhof : Deutsche Kriegsgräber im Elsass geschändet

Unbekannte Täter haben auf einem Soldatenfriedhof in Frankreich fast hundert deutsche Kriegsgräber geschändet. Präsident Nicolas Sarkozy verurteilt die Tat als „abscheulich und feige“.

"Hurenrasse" steht auf dem Kreuz für dieses deutsche Soldatengrab. Im Hintergrund umgestoßene und zerstörte Grabkreuze.
"Hurenrasse" steht auf dem Kreuz für dieses deutsche Soldatengrab. Im Hintergrund umgestoßene und zerstörte Grabkreuze.Foto: AFP

Auf dem Friedhof im südelsässischen Guebwiller wurden in der Nacht zum Freitag die Kreuze von 95 Gräbern umgekippt, wodurch mehrere brachen, wie die Präfektur in Colmar mitteilte. Eine Spaziergängerin, die ihren Hund ausgeführt habe, habe die Schändung am Morgen entdeckt, sagte eine Sprecherin der Präfektur.
Auf einem Grab habe eine „beleidigende Inschrift“ gestanden - „race de putes“ („Hurenrasse“), wie ein Fotograf der französischen Nachrichtenagentur AFP berichtete. Nach Angaben der Ermittler war aber nicht sicher, ob die Inschrift frisch oder schon vor der Schändung dort war. Die Täter benutzten den Angaben zufolge offenbar einen Hammer oder andere schwere Gegenstände, um die Kreuze zu beschädigen. Die Justiz leitete Ermittlungen ein.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verurteilte in einem Schreiben an Bundespräsident Horst Köhler die „abscheuliche und feige“ Tat. Sarkozy äußerte sich in dem Schreiben „tief empört“ über die Grabschändung, die er „mit der größten Entschiedenheit“ verurteilte. Die Schuldigen müssten schnell gefunden und vor Gericht gestellt werden, damit sie „mit aller Härte“ bestraft werden könnten.
Zuvor hatte das Außenamt in Paris „diese unwürdige Tat“ auf das Schärfste verurteilt. Die deutsch-französische Freundschaft und „unsere gemeinsame Zukunft in Europa“ ruhten auf einem tiefen Willen der Aussöhnung, erklärte das Ministerium.
Verteidigungsminister Hervé Morin kündigte nach einem Besuch des Friedhofs an, er werde mit seinem deutschen Kollegen Karl Theodor zu Guttenberg telefonieren. Auch der französische Staatssekretär für Veteranen, Hubert Falco, verurteilte die „skandalöse und schändliche“ Tat.
Ein Sprecher des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sprach von einem „ungewöhnlichen“ Ausmaß der Zerstörung. Schändungen von deutschen Kriegsgräbern in Frankreich seien „eher selten und meistens Akte von Vandalismus“. In der Regel seien sie „nicht politisch motiviert“. Seit August 2008 sei auf zwei Friedhöfen in Lothringen in Ostfrankreich jeweils ein Grabstein mutwillig beschädigt wurden.
Der Friedhof in Guebwiller war während des Ersten Weltkriegs eingerichtet worden. Bestattet sind dort rund 2500 deutsche und französische Soldaten aus beiden Weltkriegen. Nach Auskunft des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge liegen auf dem Friedhof 1238 gefallene Deutsche.
In Guebwiller ruhten die ehemaligen Feinde Seite an Seite, betonte Veteranen-Staatssekretär Falco. „Wer die Ruhe der einen stört, verletzt auch die der anderen“. Diese Gräberschändungen seien nicht nur ein Rechtsverstoß, sie verletzten „das Gewissen eines jeden Menschen“.
Während des Ersten Weltkriegs gehörten das Elsass und Ostlothringen noch zum Deutschen Kaiserreich. Somit kämpften auch Elsässer und Lothringer in deutscher Uniform. Nach der Niederlage Deutschlands kam die Grenzregion wieder zu Frankreich. (AFP)

9 Kommentare

Neuester Kommentar