Politik : Soldatenmutter unterbricht Mahnwache

Christoph von Marschall

Crawford - Die Protestbewegung gegen den Irakkrieg vor Präsident Bushs Ranch in Texas droht ihre Galionsfigur zu verlieren. Cindy Sheehan hat das Friedenscamp in Crawford, Texas, am Donnerstagabend verlassen, nachdem ihre Mutter einen Schlaganfall erlitten hatte und in die Intensivstation eines Krankenhauses in Los Angeles eingeliefert worden war. „Ich komme zurück, sobald ich kann – aber ich weiß nicht, ob ich kann“, sagte sie ihren etwa 200 Anhängern. Andere Eltern Gefallener würden erst mal die Leitung des Protests übernehmen. Sheehan, deren Sohn Casey im April 2004 im Irak gefallen war, hatte vor zwei Wochen ein Zeltlager an der Landstraße zu Bushs Feriensitz aufgeschlagen, um gegen den Krieg zu protestieren und ein Gespräch mit Bush zu erzwingen.

Es ist der zweite persönliche Schlag für die 48-jährige Kalifornierin innerhalb weniger Tage. Vor einer Woche hatte ihr Mann Patrick nach 28 Jahren Ehe die Scheidung eingereicht, wegen „unüberbrückbarer Differenzen“. Seine Familie hatte Cindy Sheehan vorgeworfen, sie missbrauche den Tod des Sohnes für persönliche politische Ziele.

Der Rückschlag kommt zu einem Moment, da die Protestbewegung landesweite Resonanz findet. Am Mittwochabend hatte es parallel zu Sheehans Mahnwache in Texas an 1500 Orten zwischen Amerikas Ost- und Westküste ebensolche Versammlungen mit Kerzen gegeben, um die Gefallenen zu ehren und gegen den Krieg zu protestieren.

Allerdings organisiert sich auch eine Gegenbewegung. Regelmäßig kommen Irakveteranen oder Angehörige von derzeit im Irak dienenden Soldaten zu Sheehans „Camp Casey“ in Texas, um auf der anderen Straßenseite ihre Unterstützung für den Irakeinsatz zu demonstrieren. In der kommenden Woche wird die Karawane der „Gegenmutter“ Deborah Johns, ebenfalls aus Kalifornien, in Crawford erwartet. Der Einsatz ihres Sohns im Irak diene der Freiheit und sei eine gerechte Sache, begründet sie ihre Tour unter dem Motto „Cindy, du sprichst nicht für mich“.

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