Politik : Solidarnosc: Am 20. Jahrestag der Streiks fordert Lech Walesa einen Marshall-Plan

cvm

Der Weg zur deutschen Einheit begann vor zwanzig Jahren in Danzig. Mit diesen Worten erinnerte der frühere polnische Gewerkschaftsführer und Staatspräsident Lech Walesa im Haus am Checkpoint Charlie an den Beginn der Streikwelle am 18. Juli 1980, der am 31. August zur Gründung der Solidarnos¿c führte, der ersten freien Gewerkschaft im Ostblock. Drei Bedingungen hätten den Sturz des Kommunismus ermöglicht, sagte Walesa: Die Wahl des polnischen Papstes - "ein Geschenk des Himmels". Die Standhaftigkeit der Solidarnosc, an deren Erfolg keiner der westlichen Staatsmänner geglaubt habe, mit denen er 1980/81 sprach. Und das von Boris Jelzin geschaffene Klima, in dem Russland sich aus der Sowjetunion lösen konnte. "Hätte Gorbatschow mit Glasnost und Perestrojka Erfolg gehabt, hätte es eine Renaissance des Kommunismus gegeben."

Walesa erneuerte die Forderung nach einem "Marshall-Plan" für die jungen Demokratien in Osteuropa. "Es würde reichen, wenn der Westen dafür die Hälfte des Geldes gibt, das er durch konzeptlose Hilfen an Russland verschleudert hat." Walesa kündigte an, er werde bei der Präsidentenwahl im Oktober antreten - "nicht, weil es mir um das Amt geht, sondern um Lösungen für Polen und für Europa zu ermöglichen". Walesa bestritt, dass der Bruch der Solidarnosc-Koalition vor wenigen Wochen ein Hindernis auf dem Weg in die EU sei. "Dass wir eine Minderheits-Regierung haben, ist ein kleines Problem im Vergleich zu den Herausforderungen, vor denen Europa steht." Der Westen solle Vertrauen zu Polen haben, erläuterte Walesa mit einem Vergleich: "Ich hatte auch meine Zweifel, als ein Grüner deutscher Außenminister wurde. Aber er macht seine Sache doch ganz ordentlich."

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