Somalia : Anschlag auf Präsident

Bei einem Anschlag vor dem Parlamentsgebäude in der somalischen Stadt Baidoa sind mindestens elf Menschen getötet worden. Offenbar galt der Angriff dem Übergangspräsident Abdullahi Jusuf Ahmed.

Baidoa - Wie Augenzeugen berichteten, ereigneten sich zwei Explosionen, als der Übergangspräsident vom Parlament abfuhr. Nach den Worten von Außenminister Ismail Mohamed Hurre galt der Anschlag dem Staatschef. Ahmed blieb unverletzt, sein jüngerer Bruder wurde nach Angaben aus dem Präsidentenbüro jedoch getötet. Der Anschlag ereignete sich zu einem Zeitpunkt, zu dem Islamisten in Somalia erstarken und die schwache Übergangsregierung immer stärker herausfordern.

Hurre, der sich zurzeit zu Besuch in der kenianischen Hauptstadt Nairobi aufhält, sagte, es handele sich um den offensichtlichen Versuch, den Präsidenten zu töten und die schwache Übergangsregierung zu destabilisieren. "Die Attentäter wussten, dass der Präsident heute vor dem Parlament sprechen würde." Der Abgeordnete Suleiman Olad Robleh sagte, niemand im Parlamentsgebäude, einem umgebauten Lagerhaus, sei verletzt worden. "Wir sind im Gebäude sicher, aber es gibt draußen einige Opfer".

Autobombe vor Parlamentsgebäude

Unter den elf Toten seien fünf Begleiter des Übergangspräsidenten, sagte ein Krankenhausmitarbeiter. Bei den sechs weiteren Toten handle es sich um Attentäter. Zumindest die erste Explosion wurde nach Angaben von Augenzeugen durch eine Autobombe ausgelöst. Ein riesiger Feuerball sei vor dem Parlamentsgebäude in den Himmel aufgestiegen, und mehrere Autos seien zerstört worden. Die zweite Explosion soll sich rund 15 Minuten später ereignet haben.

Ahmed will an diesem Montag für die Zustimmung des Parlaments zu einem neuen Kabinett werben. Die weitgehend machtlose Regierung residiert in Baidoa, das sich 250 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Mogadischu befindet. Islamische Fundamentalisten hatten Mogadischu im Juni von anderen Warlords befreit und daraufhin auch in weiten Teilen des Landes die Macht übernommen.

Trotz einer vorübergehenden Friedensvereinbarung zwischen Islamisten und Übergangsregierung sind die beiden Seiten über mehrere Schlüsselthemen tief zerstritten. Unter anderem widersetzen sich die Islamisten der Entsendung einer multinationalen Friedenstruppe der ostafrikanischen Zwischenstaatlichen Entwicklungsbehörde (IGAD), der neben Somalia sechs weitere Staaten angehören. "Ich möchte zu diesem Zeitpunkt niemanden des Anschlags beschuldigen, aber es gibt Leute, die erklärt haben, gegen die IGAD zu kämpfen", sagte Außenminister Hurre. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar