Politik : Somalia hat nach 13 Jahren wieder einen Präsidenten

Christoph Link

Nairobi - Nach 13 Jahren ohne zentrale Regierung ist am Sonntag ein neuer Präsident für Somalia gewählt worden: Oberst Abdullahi Yusuf Ahmed. Der 69-jährige regiert bereits das halb autonome Puntland im Norden Somalias. Aus Sicherheitsgründen gaben die 275 Mitglieder eines somalischen Übergangsparlaments ihre Stimme nicht in Mogadischu, sondern in Kenia ab.

Westliche Geberländer und der ostafrikanische Regionalverband Igad hatten die Wahlversammlung im Basketballstadion von Nairobi finanziert und vorbereitet. Schon beim ersten Wahlgang hatte Yusuf Ahmed mit 80 Stimmen einen relativ großen Abstand zu seinen 25 Mitbewerbern gewonnen. Yusuf Ahmed gilt als Hardliner. Er hatte als Oberst in der Armee von Diktator Siad Barre schon 1978 einen ersten Aufstand gegen Barre angezettelt und floh ins Exil nach Äthiopien, von wo aus er einen Buschkrieg gegen Barre begann. Heute noch gilt er als Alliierter von Äthiopien, ein Nachbarstaat, der von vielen Somalis wegen seiner Einmischungen kritisiert wird. Seit Barres Sturz 1991 wird Somalia von rivalisierenden Clans beherrscht.

Im Frühjahr 2002 führte Yusuf Ahmed nach einer Wahlniederlage mit eigenen Milizen einen militärischen Schlag gegen den gewählten Präsidenten des halb autonomen Puntlandes, Jama Ali Jama, und setzte sich selbst als Präsident an die Spitze der Region. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte Yusuf Ahmed, dass eine Rückkehr von Parlament und Regierung in die Hauptstadt Mogadischu wegen der unruhigen Situation vorerst nicht möglich sei. Gedacht sei daran, zuerst in einer ruhigeren Stadt wie Baidoa die Regierung anzusiedeln. Er nannte die Entwaffnung von Milizen als vordringliche Aufgabe, bei der auch „fremde Truppen“ helfen sollten.

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