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Somalia : Mehr als 70 Tote bei Selbstmordanschlag in Mogadischu

Ein Selbstmordanschlag hat die somalische Hauptstadt Mogadischu erschüttert und mehr als 70 Menschen in den Tod gerissen. Die radikal-islamische Al-Schabaab-Miliz bekannte sich zu der Tat.

Nach dem Anschlag bietet die somalische Hauptstadt Mogadischu ein Bild des Grauens.
Nach dem Anschlag bietet die somalische Hauptstadt Mogadischu ein Bild des Grauens.Foto: Reuters

Schwere Explosion in Mogadischu: Bei einem verheerenden Selbstmordanschlag in der somalischen Hauptstadt sind am Dienstag Dutzende Menschen getötet worden. Der Chef der Notfallärzte, Ali Muse Scheich, sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe mindestens 65 Opfer gezählt. Weitere 60 Menschen seien verletzt worden. Zu dem Anschlag bekannte sich nach Angaben des britischen Nachrichtensenders BBC die radikal-islamische Al-Shabaab-Miliz. Mittlerweile hat sich die Zahl der Opfer auf 70 erhöht.

Die Rebellen, die große Teile des Südens und des Zentrums von Somalia kontrollieren, kämpfen seit Jahren gegen die Übergangsregierung in Mogadischu. Sie waren erst im August bei schweren Gefechten mit dem Militär aus Mogadischu vertrieben worden und hatten daraufhin weitere Angriffe angekündigt.

Die Explosion in der Nähe von Regierungsgebäuden, in denen sich unter anderem das Außenministerium befindet, sei von einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen ausgegangen. Ein Augenzeuge sagte der BBC, es hätten überall Leichen auf den Straßen gelegen und viele Fahrzeuge seien in Flammen aufgegangen. Geschockte Soldaten hätten immer wieder Warnschüsse in die Luft abgegeben.

Unter den Opfern sind somalischen Medienangaben zufolge viele Studenten, die sich gerade dort aufhielten, um Prüfungen für einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Ob auch Regierungsangehörige ums Leben kamen, war zunächst unklar. Zahlreiche Retter waren im Einsatz, um Verletzte zu versorgen und Opfer aus den Trümmern zu bergen.

In dem Land am Horn von Afrika, wo die Bevölkerung derzeit unter der schwersten Dürrekatastrophe seit 60 Jahren leidet, gibt es seit 20 Jahren keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die vom Westen unterstützte Übergangsregierung beherrscht bisher nur kleine Teile des seit dem Bürgerkrieg von 1991 zerrissenen Landes. Sie wird von Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AMISOM) unterstützt. Die Al-Shabaab-Miliz kämpft hingegen für einen islamischen Gottesstaat am Horn von Afrika, der sich an einem weltweiten Dschihad beteiligt.

Der Bürgerkrieg erschwert die Versorgung der Hungernden in weiten Teilen des Landes. Seit Jahren lassen die Al-Shabaab-Rebellen nur bedingt Hilfslieferungen an die Bevölkerung zu. Hunderttausende sind bereits aus den besonders betroffenen Landesteilen im Süden nach Kenia, Äthiopien und Mogadischu geflohen. Ein Experte der Vereinten Nationen forderte am Dienstag, die Islamisten wegen Kriegsverbrechen vor Gericht zu stellen. Das „herzlose und kriminelle Verhalten“ der Miliz sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, schrieb der UN-Somalia-Experte Matt Bryden in einem Bericht. (dpa)

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