Somalia : Präsident bildet neue Verwaltung

Nach dem Rückzug der Islamisten aus Somalias Hauptstadt Mogadischu hat Präsident Abdullah Yusuf Ahmed erste Schritte zum Aufbau einer neuen Verwaltung unternommen.

Mogadischu/Afgoye - Bei einem Treffen von Ahmed mit verschiedenen Clanchefs in der westlich von Mogadischu gelegenen Stadt Afgoye wurden ein Bürgermeister und ein Polizeichef für die Hauptstadt ernannt. Im Süden der Stadt demonstrierten erneut hunderte Menschen gegen die Anwesenheit der äthiopischen Truppen, die die Übergangsregierung unterstützen. Dem Roten Kreuz zufolge kamen bei den Kämpfen der vergangenen Tage "mehrere hundert" Menschen ums Leben.

"Wir werden fortfahren, Behördenvertreter in den sieben Regionen und sechs Bezirken, die wir kontrollieren, zu ernennen", sagte der Innenminister der Übergangsregierung, Hussein Aidid. Ministerpräsident Ali Mohamed Gedi rief die Islamisten anlässlich des Treffens zwischen Regierungsvertretern und Clanchefs zum Dialog auf. "Wir rufen die Islamischen Gerichte zum Dialog auf und dazu, sich mit uns zu treffen." Nach Regierungsangaben hielten sich noch rund 2000 islamistische Freischärler in Mogadischu auf. Einige versteckten sich in den Häusern und seien noch bewaffnet, sagte Innenminister Aidid.

Islamistenführer Sheikh Sharif Sheikh Ahmed erklärte, der Rückzug aus Mogadischu bedeute nicht das Ende des Kampfes gegen die "Feinde Allahs". Von der Stadt Kismayo aus, wohin sich die Islamisten zurückgezogen hatten, forderte er die Somalier auf, sich gemeinsam mit den Milizionären der islamischen Gerichte gegen die äthiopischen Besetzer zu erheben. Am Donnerstag hatten sich die islamischen Milizen vor den heranrückenden Regierungstruppen aus der Hauptstadt zurückgezogen, um nach eigenen Angaben ein Blutvergießen unter der Bevölkerung zu verhindern. Im Süden Mogadischus protestierten hunderte Somalier erneut gegen die äthiopischen Truppen. Sie zündeten Steine an und bewarfen Geschäfte und Autos mit Steinen. Bereits am Freitag waren Tausende wegen die ähtiopische Präsenz auf die Straße gegangen.

Tausende Flüchtlinge

Bei den Gefechten der vergangenen Tage zwischen islamischen Milizen und Regierungstruppen seien "mehrere hundert" Menschen ums Leben gekommen und mehr als 800 Menschen verletzt worden, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf mit. Unter den Opfern seien sowohl Zivilisten als auch Kämpfer beider Seiten. Tausende Zivilisten hätten zudem aus Angst vor Gewalt vor allem in Mogadischu vorübergehend ihre Häuser verlassen.

Der Präsident Eritreas, Issaias Afeworki, verglich das Vorgehen gegen die Islamisten mit "Terrorismus". Die Unterstützung Äthiopiens für die somalische Übergangsregierung zeige die Schwäche von Addis Abeba. Eritrea, dem eine Unterstützung der Islamisten nachgesagt wird, ist mit Äthiopien verfeindet. Somalia kommt seit dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 nicht zur Ruhe. Die 2004 eingesetzte Übergangsregierung erwies sich als weitgehend machtlos. Deshalb brachten die Islamisten in den vergangenen Monaten Teile des Landes unter ihre Kontrolle. (tso/AFP)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar