Somalia : Regierung bittet um schnelle militärische Unterstützung

Nach der Ermordung von zwei Politikern fordert der somalische Parlamentspräsident Modobe die internationale Gemeinschaft und die Nachbarländer zur Intervention auf.

"Wir bitten die Nachbarländer, innerhalb von 24 Stunden Truppen nach Somalia zu schicken", sagte der Parlamentspräsident, Sheik Aden Modobe, am Samstag. Die Eskalation der Gewalt zwinge Somalia zu dieser Bitte. Die Regierung ist in den vergangenen Wochen durch die Angriffe radikalislamischer Gruppen zunehmend in Bedrängnis geraten. Modobe sagte, die Milizen würden von einem "ehemaligen pakistanischen Armeegeneral angeführt".

Kenias Außenminister Moses Wetangula hatte bereits am Freitag nach einem Treffen mit EU-Diplomaten erklärt, die Afrikanische Union (AU) suche nach "Optionen", um die somalische Regierung vor den militanten Gruppen zu schützen. "Wir können in einer Situation wie dieser nicht tatenlos zusehen", sagte er. Die Entwicklung in Somalia bedrohe auch die Sicherheitsinteressen Kenias.

Der äthiopische Informationsminister Bereket Simon betonte hingegen, Äthiopien werde in Somalia nur intervenieren, wenn es eine entsprechende Entscheidung der internationalen Gemeinschaft gebe. Äthiopien hatte Ende 2006 den Sturz der Union der Islamischen Gerichte militärisch unterstützt und erst im Januar seine Truppen aus Somalia zurückgezogen.

Bei dem Selbstmordanschlag auf Sicherheitsminister Omar Hashi waren 35 Menschen getötet worden. Inzwischen hat sich die Al-Schabab-Miliz zu dem Attentat bekannt. Die radikalislamische Miliz, die hinter zahlreichen Anschlägen und Entführungen steht, wird von den USA als Terrororganisation mit Verbindungen zu Al Quaida eingestuft.

Sie hat in den vergangenen Wochen die Regierung des gemäßigten Islamisten Sheik Sharif Ahmed zunehmend in Bedrängnis gebracht. Der Parlamentsabgeordnete Mohammed Hussein Addow war am Freitagabend im Norden Mogadischus von Unbekannten erschossen worden.

Lediglich Teile des Landes und der Hauptstadt Mogadischu werden von den Regierungstruppen kontrolliert. Mehr als 120.000 Menschen sind allein seit Anfang Mai vor den Kämpfen geflohen. Insgesamt leben in Somalia nach UN-Angaben 1,3 Millionen Menschen in Flüchtlingslagern.

ZEIT ONLINE, sh, dpa

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