Somalia : Regierung in Mogadischu spricht angeblich mit Islamisten

Zwischen der somalischen Übergangsregierung und den sie bekämpfenden islamistischen Rebellengruppen soll es erstmals direkte Gespräche geben.

Dagmar Dehmer

Berlin - Das hat der Außenminister der Übergangsregierung, Ali Ahmed Jama, am Samstag bekannt gegeben. Bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Mogadischu sagte er nach Informationen des Senders Shabelle, dass einige islamische Kämpfer sich den Regierungstruppen angeschlossen hätten. Außerdem habe es direkte Gespräche mit den Al-Schabbab-Milizen und den Hisbul-Islam-Milizen gegeben. Allerdings bestritt ein Sprecher von Al Schabbab, Scheich Ali Mohamud Rage, nur einen Tag später bei einer Pressekonferenz in Mogadischu alle derartigen Kontakte.

Ungeachtet der von der Regierung angestrebten Friedensgespräche gehen die Angriffe der Islamisten weiter. Auch am Wochenende starben einige dutzend Menschen. Zudem wurde bekannt, dass die Afrikanische Union bei ihrem Sondergipfel in Libyen vor wenigen Tagen das Mandat der AU-Friedenstruppe erweitert hat. Nach Angaben des ugandischen Verteidigungsministers Crispus Kiyonga dürfen die ugandischen und burundischen Friedenstruppen künftig auch Lager der islamistischen Milizen „vorsorglich“ angreifen, wenn sie Anschläge befürchten. Außerdem gab die Übergangsregierung erstmals zu, dass seit einigen Wochen auch wieder äthiopische Truppen in einige Städte Somalias einmarschiert sind. Diesmal scheint die Übergangsregierung jedoch keine Hilfe im Nachbarland angefordert zu haben.

2006 war Äthiopien nach Somalia einmarschiert, um die Herrschaft der islamischen Gerichtshöfe zu brechen, die im Süden und der Mitte des Landes damals die Macht übernommen hatten. Der heutige Präsident Scharif Scheich Ahmed war damals einer der Chefs der Gerichtshöfe. Sein ärgster Widersacher, der Chef der Hisbul-Islam-Milizen, Scheich Hassan Dahir Aweys, war damals sein Partner. Der Einmarsch Äthiopiens hatte die Al-Schabbab-Milizen, den damaligen bewaffneten Arm der Gerichtshöfe, stark radikalisiert. Die USA halten es für erwiesen, dass sie auch Beziehungen zum islamistischen Terrornetzwerk Al Qaida unterhalten. Dagmar Dehmer

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben