Somalia : Zwei entführte Helferinnen befreit

Die beiden Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen, Montserrat Serra und Blance Thiebaut, waren zwei Jahre lang in der Gewalt von Al Schabaab. Nun wurden sie freigelassen.

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Montserrat Serra (links) und Blanca Thibaut haben für die Organisation Ärzte ohne Grenzen im kenianischen Flüchtlingslager Dadaab gearbeitet. Dort wurden sie im Oktober 2011 vermutlich von der islamistischen Miliz Al Schabaab entführt. Am Donnerstag sind sie nach Angaben der Ärzteorganisation frei gekommen.
Montserrat Serra (links) und Blanca Thibaut haben für die Organisation Ärzte ohne Grenzen im kenianischen Flüchtlingslager Dadaab...Foto: dpa

Zwei am 13. Oktober 2011 in Kenia verschleppte Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sind am Donnerstag von ihren Entführern freigelassen worden. Die Spanierinnen Montserrat Serra und Blanca Thiebaut waren im Flüchtlingslager Dadaab gekidnappt und nach Somalia gebracht worden. "Beide sind gesund und in Sicherheit. Sie hoffen, sobald wie möglich bei ihren Familien und ihren Freunden zu sein", schreibt die Organisation Ärzte ohne Grenzen. Es wird vermutet, dass die radikalislamische Miliz Al Schabaab für die Entführungen verantwortlich ist. Einzelheiten zur Befreiung wurden nicht bekannt. Serra ist ausgebildete Lehrerin und war zwei Monate in Kenia, bevor sie entführt wurde. Sie war eine erfahrene Helferin und hatte Einsätze im Jemen und in Lateinamerika gehabt. Thiebaut hatte erst kurz vor ihrem Einsatz im Flüchtlingslager in Dadaab ihr Studium beendet. Beide arbeiteten nach Informationen des britischen Senders BBC in der Logistikabteilung von Ärzte ohne Grenzen.

Das Flüchtlingslager Dadaab ist das größte der Welt. Seit Somalia vor mehr als 20 Jahren im Chaos versank, sind Zehntausende Flüchtlinge aus Somalia nach Kenia gekommen. 2011 während der großen Dürre und Hungerkatastrophe in Ostafrika kamen noch einmal Zehntausende Menschen dazu. Dadaab ist mit mehr als einer halben Million Einwohner faktisch die drittgrößte Stadt Kenias. Ganze Generationen sind hier aufgewachsen und waren noch nie in Somalia. Zwar hat Al Schabaab immer wieder versucht, junge Flüchtlinge aus dem Lager zu rekrutieren. Doch im Großen und Ganzen galt Dadaab 2011 als sicher. Umso größer war der Schock, als die beiden Spanierinnen dort entführt wurden.

Die Entführung der beiden Frauen fand kurz nach einem Kidnapping auf der Insel Lamu statt, wo somalische Piraten eine Touristin verschleppt hatten. Der Unesco-Weltkulturerbe Lamu liegt sehr nahe an Somalia dran. Da der Tourismus für Kenia ein wichtiger Devisenbringer ist, und Kenia von den Spannungen in Ägypten stark profitierte, entschied sich die damals noch regierende große Koalition um den Präsidenten Mwai Kibaki und den Premierminister Raila Odinga, in Somalia einzugreifen. Im Spätherbst 2011 marschierte die kenianische Armee im Süden Somalias ein - und eroberte schließlich die wichtige Küstenstadt Kismayo, damals eine Hochburg von Al Schabaab.

Inzwischen gehören die kenianischen Soldaten zur Friedenstruppe der Afrikanischen Union Amisom. Seit der Entführung der beiden Frauen hat sich in Somalia eine Menge getan. Es haben Wahlen stattgefunden, zwar keine freien Wahlen aller Bürger, aber zumindest haben die Clans ihre Kandidaten für ein Übergangsparlament bestimmt, und dieses Parlament hat dann den seit September 2012 amtierenden Präsidenten Hassan Scheich Mohammed gewählt. Die Sicherheitslage ist zwar nach wie vor prekär. Immer wieder kommt es zu Anschlägen von Al Schabaab auch in der Hauptstadt Mogadischu. Dennoch sind internationale Beobachter das erste Mal seit Jahrzehnten optimistischer, was die Zukunft Somalias angeht. Das dürfte jedoch kaum dazu beitragen, dass das Flüchtlingslager Dadaab sich nach und nach auflöst. Dafür sind die Flüchtlinge schon zu lange dort. Für viele ist Dadaab die einzige Heimat, die sie kennen.

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