Somalische Küste : "Schnäppchen": Piraten fordern 25 Millionen Dollar Lösegeld

Man könnte fast sagen, es ist ein Schnäppchen: Die Entführer des am Wochenende vor der Küste Somalias gekaperten Supertankers fordern von dessen Besitzern ein Lösegeld in Höhe von 25 Millionen Dollar (knapp 20 Millionen Euro). Der Tanker samt geladenem Öl ist 200 Millionen Euro wert.

Sirius Star
Die Sirius Star: Der Super-Tanker mit zwei Millionen Barrel Rohöl an Bord befindet sich seit Samstag in der Hand von Piraten. -Foto: dpa

Nairobi"Die Saudis haben zehn Tage Zeit, sonst greifen wir zu Maßnahmen, die katastrophal sein könnten", sagte einer der Piraten auf dem Schiff am Donnerstag telefonisch. "Lange Diskussionen zur Regelung der Angelegenheit" würden nicht akzeptiert.

Der Tanker "Sirius Star" mit zwei Millionen Barrel (159 Liter) Rohöl an Bord ankert derzeit vor der somalischen Piratenhochburg Harardhere 300 Kilometer nördlich von Mogadischu. Die saudiarabische Regierung hatte zuvor bestätigt, dass die Reederei mit den Kidnappern in Verhandlungen stehe.

Tanker wurde bereits am Samstag gekapert

Die Piraten hatten den saudi-arabischen Tanker schon am Samstag im Indischen Ozean in ihre Gewalt gebracht. Am Dienstag gingen sie in der Nähe der Stadt Hobyo vor der Küste Somalias vor Anker. Ein militärischer Befreiungsschlag gilt mit Blick auf die Sicherheit der 25 Mann Besatzung an Bord des Schiffes als riskant. Die Entführung sprengt alle Dimensionen der bisherigen modernen Seeräuberei: Die "Sirius Star" - mit 330 Meter Länge so groß wie drei Fußballfelder - ist mit zwei Millionen Barrel Rohöl (318 Millionen Liter) beladen. Nach Angaben der Reederei Vela International haben Schiff und Ladung einen geschätzten Wert von 200 Millionen Euro. Nach Angaben der US-Navy ist es das größte jemals gekaperte Schiff.

Zudem schlugen die Piraten angesichts der zahlreichen Kriegsschiffe, die vor der somalischen Küste für mehr Sicherheit für die Schifffahrt sorgen sollen, neue operative Wege ein: Sie kaperten die "Sirius Star" in den bislang als sicher geltenden Gewässern vor der kenianisch-tansanischen Küste - fernab der extrem gefährlichen somalischen Küstengewässer. Von so viel Dreistigkeit zeigte sich auch Admiral Mike Mullen vom Generalstab der US-Marine beeindruckt: "Sie sind sehr professionell", sagte er, und klang dabei fast widerwillig bewundernd.

Somalia verfügt über keine eigene Küstenwache

Allein ein Drittel der Piratenüberfälle weltweit geht nach Angaben des Internationalen Seefahrtbüros auf das Konto der Seeräuber am Horn von Afrika. Der Krisenstaat Somalia, von Clanstreitigkeiten und Bürgerkrieg innerlich zerrissen und seit 1991 ohne eine funktionierende Regierung, hat keine eigene Küstenwache. Die Schiffe der US-Marine und Frankreichs, Nato-Schiffe und demnächst auch mehrere Kriegsschiffe der EU konnten die Zahl der Überfälle in den vergangenen Wochen zwar senken, aber nicht vollständig stoppen. (sba/AFP)

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