Politik : Sommerfarce

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Fürwahr, es waren aufreibende Wochen. In den letzten Tagen vor der Sommerpause wurden die Bundestagsabgeordneten von früh bis spät durch das gesamte politische Themenspektrum getrieben. Wen wundert es da, dass keine Zeit blieb für wirklich Wichtiges. Nun endlich ist Raum für all die Betrachtungen, die den hektischen und zuweilen widersprüchlichen Politik-Alltag einordnen – und den Menschen Orientierung geben.

Es ist die Zeit für Jakob Mierscheid. Diesen immer verkannten Hinterbänkler im Deutschen Bundestag, den Freunde und Verehrer mit großer Sicherheit der sozialdemokratischen Fraktion zuordnen. Eben jener Mierscheid meldet sich pünktlich zum Beginn der Parlamentsferien mit der Botschaft: „In der Geschichte wiederholt sich alles. Das zweite Mal allerdings als Farce". Mierscheid, der Historiker, erinnert uns daran, dass sich ein Frankfurter Jurist ns Johann Wolfgang von Goethe am 7. September 1876 in Wolfratshausen zu einem ausgiebigen Frühstück niederließ – um sich anschließend zu der Weiterreise ins südliche Italien zu entschließen.

„Ach hätte doch auch das zweite Wolfratshausener Frühstück ein solches Ergebnis gebracht“, meint Mierscheid. Denn 126 Jahre später frühstückte wieder ein Jurist, diesmal aus Bayern, an jenem Ort. Jener Jurist namens Edmund Stoiber allerdings entschied sich – zum Leidwesen von Jacob Mierscheid – nicht, den Weg nach Süden zu nehmen. Er will im nördlichen Berlin Bundeskanzler werden. Ob sich auch Goethe für diese Richtung entschieden hätte, fragt sich der Abgeordnete, wenn ihm Angela Merkel gegenüber gesessen hätte? Antje Sirleschtov

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