Politik : Sommerloch: Ferienzeit, harte Zeit (Kommentar)

Thomas Kröter

Welche ist die härteste Zeit im Leben eines gestandenenen Parlamentskorrespondenten? Eine handfeste Regierungskrise? Ein unvorhergesehener Kanzlersturz? Der CDU-Skandal? Ach, I wo. Es sind die Sommerferien. Die auch Parlamentsferien sind. Das Telefon klingelt nicht. Und wenn man jemanden anruft, ist er oder sie mit neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht erreichbar, sondern in den ... richtig: Sommerferien. Früher war ja alles besser. Da dachten sich Politiker in den Ferien noch lustige Streiche aus, ärgerten den Bundeskanzler oder forderten wenigstens, dass Mallorca wegen der vielen Deutschen das 17. Bundesland werden solle. Vorüber, vorbei.

Heutzutage bleiben potenzielle Darsteller des Sommertheaters erstens brav und zweitens ernst. Blutig ernst. Im Wortsinne. Erwin Jordan zum Beispiel, der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium ist, präsentiert sich dieser Tage als öffentlicher Blutspender. Nach dem Motto: "Jeder Tropfen hilft." Im Sommer, lernen wir, wird nämlich - wegen der Sommerferien - das Spenderblut knapp.

Schlimmer noch: Auch die Plätze im Tierheim. Deswegen finden sich die SPD-Abgeordneten Iris Gleicke, Marianne Klappert und Matthias Weisheit am heutigen Dienstag in Lankwitz, der Berliner Abgabestelle für herrenlose Hunde, ein. Das ist ein interessanter Termin. Deshalb darf nicht jeder hergelaufene Kameramann oder Fotograf mitlaufen. Es werden "Pools" gebildet - ein Team öffentlich rechtlich, eines für die Privaten undsoweiter. So was gibt es sonst nur bei Staatsbesuchen. Lankwitz als 17. Bundesland!

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