Politik : Sommertheater: Vorhang auf - CDU

Robert Birnbaum

Normalerweise drängen alle sich, Hauptdarsteller zu werden - im Sommertheater aber ist die Rolle ausgesprochen unbeliebt. Pech für die CDU, dass sie als Besetzung diesmal feststeht, bevor sich der Vorhang hebt. Die Christdemokraten galten schon vor dem "Schwarzen Freitag" im Bundesrat als heiße Anwärter. Das neue Führungsduo Merkel und Merz hatte erkennbar Startschwierigkeiten. Die Anfänger-Schnitzer steigerten sich zu echten Problemen, als Kohl im Spenden-Untersuchungsausschuss auftrumpfte. Es wurde deutlich: Die CDU hat die Spendenaffäre noch nicht hinter sich. Und: Die neue, als "Aufklärer" angetretene CDU-Führung hat den Konflikt mit Kohl um die Deutung der Vorgänge noch lange nicht gewonnen. In diese Situation platzte das Fiasko im Bundesrat. Das Ja der CDU-Mitregenten in Berlin, Brandenburg und Bremen zur Steuerreform hat der Bundes-CDU schlagartig ihre Machtlosigkeit vor Augen geführt und tiefes Misstrauen in die Union getragen. Niemand mag ausschließen, dass an diesem 14. Juli 2000 die Vorentscheidung für die Bundestagswahl 2002 gefallen ist.

Hauptdarsteller wider Willen

Dies aber ist der Stoff, aus dem Sommertheater-Drehbücher gemacht sind: Verunsicherte Parteimitglieder, ratlose Parteiobere, Zorn hier, Trotz dort. Schon nehmen Hauptakteure wie Merkel und CSU-Chef Stoiber am Bühnenrand Aufstellung für wilde Prügelszenen unter dem Motto: "Wer hat die bessere Oppositionsstrategie?" Schon wehren sich "Abweichler" gegen den Vorwurf mangelnder Solidarität und doppelten Spiels; schon müssen sich Merkel und Merz gegen den Vorwurf wappnen, sehenden Auges in die Niederlage hineingestolpert zu sein. Selbst wenn die Aufarbeitung des Debakels nicht den ganzen Sommerspielplan ausfüllt, bleibt die CDU im Mittelpunkt: Als Partei auf der Suche nach Themen und Erfolgen. Ein Trauerspiel.

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