Politik : Sommertheater: Vorhang auf - Grüne

Thomas Kröter

Waren das Zeiten, als auf der politischen Bühne nur eine(r) als jugendlicher Held in Frage kam: die Grünen. Aber nichts ist vergänglicher als die Jugend - zumal wenn in der Regierung Erwachsensein angesagt ist. Folge: Identitätsprobleme, Rollensuche. Verstärkt durch abnehmende Attraktivität, mindestens: die Angst davor. Des eigenen Partners - SPD - sind sie nicht mehr sicher. Schröder hat andere Optionen. Also: Schwarz-grüne Gedankenspiele? Schnee von gestern - spätestens seit Jürgen Möllemanns Frischzellenkur für die Liberalen. Publikumswirksame Hanswurstiaden im Sommerheater? Eher nicht. Die Partei ist so regierungsfähig geworden, dass sie nicht mehr streitet. Letztens auf dem Parteitag hat der frustrierte Werner Schulz aus der ostdeutschen Schmollecke gegen Joschka Fischer gewettert. Eine Kuriosität, mehr nicht. Der linke Parteiflügel hat die Niederlage in der Auseinandersetzung um den Kosovo-Krieg nur als Zombi überlebt. Als der sofortige Atomausstieg zur 30-jährigen Laufzeit mutierte, waren die Untoten kaum mehr zum Irrlichtern in der Lage. Dafür ist nach dem Abgang der beiden sympathischen, aber überforderten Vorsitzenden Radcke und Röstel Professionalität in die Parteizentrale eingekehrt.

Der jugendliche Held

Renate Künast und Fritz Kuhn brauchen zwar noch eine Warmlaufphase - aber Streit untereinander auch nur in Andeutungen öffentlich werden lassen? Keine Chance. Gesundheitsministerin Fischer verlegt sich statt der unbeliebten Gesundheitsreform lieber auf das populäre Thema Gentechnik. Im Herbst wird die Fraktionsspitze neu gewählt. Aber wen interessiert, ob jemand gegen Schlauch (ein wenig) und Müller (etwas mehr) mobbt? Der jugendliche Held? Ein Statist. Aber vielleicht braucht er gerade diese Pause in der stummen Rolle zur Regeneration.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben