Politik : Sommertheater: Vorhang auf - SPD

Carsten Germis

Gott spielen kann im Theater nur einer: der Autor des Stückes. In diesem Jahr ist das der Kanzler. Schröder, assistiert durch den neuen Star seiner sozialdemokratischen Riege: Regieführer Eichel legte der SPD mit seinem Coup bei der Steuerreform das Gesetz des Handels in die Hand. Das will die SPD jetzt behalten, sie will das Sommertheater steuern. Die Frage ist nur, wie das Regiebuch aussehen soll? Das Steuerstück ist durch und lässt sich nicht so schnell wiederholen. Im Sommer steht die Rente auf dem Spielplan. Aber Regieassistent Riester scheint gelernt zu haben vom Meister Schröder.

Der Autor und Regisseur

Auf 60 DIN-A-4-Seiten hat er den Mitgliedern der beiden Koalitionsfraktionen das Manuskript für "Rente im Sommer" schon zugeschickt. Die Rollen für CDU/CSU, FDP und PDS sind darin klar beschrieben. Rentendialoge mit 30 Antworten auf die 30 wichtigsten Fragen sind in dem Regie-Brief Wort für Wort notiert. Sogar ein 27-seitiger Monolog unter dem Zwischentitel "Entwurf Musterreferat Rentenreform 2000" für alle rot-grünen Abgeordneten liegt bei. Da kann eigentlich nichts schief gehen. Es müssen sich nur alle an den Text halten. Da liegt das Risiko für die SPD. Statt das Schröder-Stück werkgetreu auf die Bühne zu bringen, nehmen vor allem die Akteure, die die Bühne von links betreten, gern Anleihen bei den Altmeistern Lafontaine oder Dreßler. Deren Passagen hat der SPD-Vorsitzende Schröder zwar alle gestrichen, aber zumindest in der Erinnerung an das Sommertheater 1999 hat mancher Sozialdemokrat sie vielleicht noch im Kopf. Schröder ist im Urlaub, wenn der Vorhang zum Sommerheater aufgeht. Jetzt liegt es an seinen Regieassistenten Riester, Struck und Müntefering, ob das Stück auch wirklich so aufgeführt wird, wie sich das die Dramaturgen im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Parteizentrale, und im Kanzleramt ausgedacht haben.

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