Politik : Sonia Gandhi wird Indien regieren

Ruth Ciesinger

Neu Delhi/Berlin - Bald wird wieder eine Frau die größte Demokratie der Welt regieren. Die Kongresspartei hat mit ihren Bündnispartnern und den Linksparteien, die sie unterstützen, Sonia Gandhi am Sonntag gebeten, eine Regierung der Mitte zu bilden. In der Geschichte Indiens ist dies auch deshalb ein bedeutender Schritt, weil die künftige Premierministerin gebürtige Italienerin ist. Obwohl Gandhi vor Jahren die indische Staatsbürgerschaft angenommen hat, kündigte die hindunationalistische BJP des alten Premiers Atal Behari Vajpayee deshalb eine nationale Protestbewegung an.

Das neue Kabinett wird voraussichtlich am Mittwoch vereidigt. Mit Sonia Gandhi steht dann zum vierten Mal ein Mitglied der Nehru-Gandhi-Dynastie an der Spitze Indiens. Jawaharlal Nehru war erster Premier nach der Unabhängigkeit, seine Tochter Indira Gandhi folgte und später ihr Sohn Rajiv, Sonias Mann. Beide wurden im Amt ermordet. Nach dem Tod Rajivs drängte die Kongresspartei Sonia Gandhi lange vergeblich, an dessen Stelle die Führung der Partei zu übernehmen. Erst 1998 erklärte sie sich dazu bereit. Damals sprachen ihr noch viele Kritiker die politische Führungskraft ab.

Doch inzwischen zweifelt niemand mehr an ihren Leistungen. Sie hat die Kongresspartei entgegen allen Erwartungen hinter sich gebracht, die Partei nach dem Wahldebakel 1999 fünf Jahre später völlig überraschend zum Sieg geführt und nicht nur politische Bündnispartner sondern auch viele Bürger davon überzeugt, dass es für die Geschicke des Landes egal ist, wo der Regierungschef geboren wurde. Jedoch war die Wahl vor knapp einer Woche keine Sonia-Wahl. In Umfragen schnitt der alte Premier Vajpayee immer besser ab als Gandhi.

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