Sonthi Boonyaratglin : Thailands neuer starker Mann

General Sonthi Boonyaratglin ist das Gesicht des Militärputsches in Thailand. Der 59-Jährige gilt als loyaler Gefolgsmann von König Bhumibol Adulyadej. Ein Porträt des Putschisten.

Bangkok - Am Dienstagabend putschte die von Sonthi geführte Armee Regierungschef Thaksin Shinawatra in Abwesenheit aus dem Amt und setzte die Verfassung und alle ihre Organe außer Kraft. Sonthi, der Befehlshaber der Bodenstreitkräfte, ist vorerst der neue starke Mann in dem südostasiatischen Land, dessen Bürger schon viele Militärmachthaber haben kommen und gehen sehen.

Als "Soldat seiner Majestät" werde er jeden Befehl König Bhumibols bedingungslos ausführen, hatte Sonthi vor dem Putsch in den Medien verlauten lassen. Den Befehl zum Umsturz dürfte er wohl kaum von dem greisen Monarchen erhalten haben; andererseits erreichte den General bislang offenbar auch keine Order aus dem Palast zur Wiederherstellung der Demokratie. Möglicherweise lässt ihn der mit 60 Thronjahren dienstälteste Monarch, der selbst wenig Sympathie für Regierungschef Thaksin hegte, gewähren. Bhumibol hat so viele Regierungswechsel erlebt wie kein anderer König: nunmehr über 30 seit 1932.

Sonthi: Parlamentswahlen im Oktober

Die nächste Regierung solle es bald geben, kündigten die Putschgeneräle an. Innerhalb von zwei Wochen werde ein neuer Ministerpräsident benannt, erklärte Sonthi in Bangkok. Binnen dieser Frist solle zudem eine Übergangsverfassung vorgestellt und eine neue Nationalversammlung eingesetzt werden. Die nächsten Parlamentswahlen stellte Sonthi für Oktober kommenden Jahres in Aussicht. Nach den bisherigen Planungen sollten sie Ende dieses Jahres stattfinden.

An der Regierung Thaksin hatte der erst vor einem Jahr zum Kommandeur der Bodentruppen ernannte Sonthi vor allem auszusetzen, dass sie "eine beispiellose Kluft in der Gesellschaft verursacht hat, ebenso wie weitverbreitete Korruption und Vetternwirtschaft". Sie habe zudem wiederholt König Bhumibol beleidigt. Auch in Sicherheitsfragen waren der Karriereoffizier und der Regierungschef in jüngster Zeit immer wieder aneinandergeraten. Sonthi, der für einen Dialog mit den islamistischen Aufständischen im Süden Thailands eintrat, wurde von der Regierung abgekanzelt, die Verhandlungen eine klare Absage erteilte.

Chance für den Friedenn?

Sonthi ist Moslem. Auch wenn ihn mit seinen Glaubensbrüdern im Süden Thailands außer der Religionszugehörigkeit wenig verbindet, wurde seine Berufung an die Armeeführung als Zeichen der Hoffnung gesehen. Als erster Moslem auf diesem Posten könne er möglicherweise einen Weg finden, um den Aufstand der Rebellen in den Südprovinzen des ansonsten buddhistischen Landes zu beenden. Bei den Unruhen wurden seit Januar 2004 mehr als 1.400 Menschen getötet.

Der in Kampfeinsätzen hochdekorierte Armeechef erwarb sich schon vor dem Putsch einen Ruf als zupackender Pragmatiker und legte eine bruchlose Karriere hin. 1946 als Sohn einer angesehenen Familie in Bangkok geboren - seine Mutter war Kammerfau im Königspalast, einer seiner Vorfahren der erste oberste moslemische Geistliche Thailands - machte er seinen Weg beim Militär. Die Königliche Militärakademie schloss er im Jahr 1969 ab, Ausbildungen in den USA folgten. Sonthi wurde unter anderem das Kommando für besondere Kriegsführung anvertraut. Im vergangenen Jahr berief ihn Thaksin an die Spitze der Bodentruppen. Am Dienstag setzte Sonthi seine Soldaten gegen Thaksin in Marsch. (Von Griffin Shea, AFP)

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