Politik : Sozialdemokrat Stoltenberg wird neuer Premier Norwegens

Nach dem Scheitern der Mitte-Rechts-Regierung in Norwegen will der Sozialdemokrat Jens Stoltenberg ein neues Kabinett bilden. Stoltenberg kündigte am Freitag in Oslo an, er habe den Auftrag zur Regierungsbildung angenommen und werde nun versuchen, eine arbeitsfähige Regierung zusammenzubekommen. Der bisherige christdemokratische Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik hatte nach einer verlorenen Vertrauensabstimmung am Donnerstagabend seinen Rücktritt angekündigt und am Freitag König Harald V. Stoltenberg als Nachfolger vorgeschlagen.

Stoltenberg war von 1993 bis 1996 Energie- und dann bis 1997 Finanzminister. Sein Vater, Thorvald Stoltenberg, betätigte sich im Jugoslawien-Konflikt als UN-Vermittler. Formell ist der 40-jährige die Nummer zwei in der "Arbeiderparti", doch er gilt als weit populärer als Parteichef Thorbjoern Jagland. Jagland verzichtete deshalb zu Gunsten von Stoltenberg am 10. Februar auf die interne Stellung als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten.

Jüngsten Umfragen zufolge würden die Sozialdemokraten unter Führung von Stoltenberg bei Neuwahlen derzeit ein Traumergebnis von 44,5 Prozent erreichen. Die norwegische Verfassung schließt allerdings vorgezogene Neuwahlen aus. Bis zum nächsten Urnengang im September 2001 wird deshalb voraussichtlich eine Koalition unter Führung der Arbeiterpartei die Regierung stellen. Im Parlament, dem Storting, stellen die Sozialdemokraten mit 65 von 165 Sitzen die größte Fraktion.

Lange Zeit befolgte Stoltenberg zwei Leitgedanken seines Vaters Thorvald Stoltenberg, eines führenden Mitglieds der "Arbeiderparti" und ranghohen Diplomaten: Nein zur NATO und Nein zur EU. Mittlerweile gilt er als "Vernunfts"-Anhänger der EU und plädiert behutsam für eine Mitgliedschaft Norwegens in der Union.1990 übernahm er die Führung seiner Partei und zog ein Jahr darauf als Abgeordneter ins Parlament. Wieder nur ein Jahr später rückte Stoltenberg zum Vizechef der Sozialdemokraten auf.

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