Sozialdemokraten : Berliner SPD-Chef Müller greift Parteispitze an

Der Berliner SPD-Chef sagt, die schwachen Umfragewerte der Partei seien "hausgemacht". Jetzt fordert er einen Kurswechsel.

Berlin - Der Berliner SPD-Landesvorsitzende Michael Müller hat von der Bundesspitze seiner Partei Einigkeit und Führung verlangt. Die schwierige Situation mit Umfragewerten von 21 Prozent beim Forsa-Institut sei „vor allem hausgemacht“, sagte er am Sonntag. „Sie wurde durch Zwistigkeiten in der Führungsspitze und die Tatsache hervorgerufen, dass wir unsere eigenen sozialdemokratischen Konzepte nicht selbstbewusst in den Vordergrund gestellt haben, sondern immer auf die Konkurrenz geschielt und nur auf sie reagiert haben. Ich hoffe, das ist jetzt endlich überwunden.“

Müller verwies darauf, dass die SPD in anderen Umfragen bei 25 bis 26 Prozent liege und die Werte noch ansteigen würden. Die Partei habe sich allerdings in innerparteilichen Diskussionen verzettelt, wer wann Kanzlerkandidat wird und ob der Agenda-Kurs von Gerhard Schröder noch gelte, sagte Müller. „Das ist für die Wähler völlig unwichtig. Sie wollen konkrete Antworten auf konkrete Fragen und nicht theoretisch abgehobene Diskussionen über einen Kurswechsel.“ Müller forderte den SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck und seine drei Stellvertreter Andrea Nahles, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier zu mehr Geschlossenheit in Sachfragen auf. Die in der Vergangenheit oft zur Schau gestellte Uneinigkeit im Spitzenquartett habe dem Ansehen der SPD geschadet. „Man konnte zeitweilig den Eindruck bekommen, dass es nur einen echten Stellvertreter von Kurt Beck gibt, und zwar Klaus Wowereit“, sagte der SPD-Landeschef. Berlins Regierender Bürgermeister nehme bereits heute eine wichtige Position auf Bundesebene ein, obwohl er dem SPD-Präsidium nur qua Amt angehöre. Die SPD-Spitze wollte sich am Sonntag nicht äußern. dpa/Tsp

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