Politik : Soziale Leistungsgesellschaft

Online-Umfrage: Die Deutschen wollen weitere Reformen / Wer im Süden lebt, ist am zufriedensten

Juliane Schoenherr

Berlin - Alles andere als reformmüde sind die Deutschen nach der am Mittwoch vorgestellten Onlinebefragung „Perspektive Deutschland“. Danach wünschen sich knapp 80 Prozent der 620 000 Teilnehmer, dass die Regierung den begonnenen Reformprozess zügig vorantreibt. Insgesamt befinde sich Deutschland auf dem Weg in eine „soziale Leistungsgesellschaft“, sagte Schirmherr Richard von Weizsäcker. Die hohe Leistungsbereitschaft der Menschen sei gekoppelt an die Forderung nach einem Staat, der soziale Verantwortung übernimmt. Ein Großteil der Befragten sei bereit, gegen zusätzliche Entlohnung mehr zu arbeiten. Immerhin noch knapp 40 Prozent würden auch unentgeltlich vier Stunden pro Woche mehr arbeiten, wenn das ihren Arbeitsplatz für drei Jahre sichern würde. Neu ist, dass sich 83 Prozent dafür aussprachen, dass sich die Bezahlung stärker nach der erbrachten Leistung richten sollte. Analog dazu gaben 73 Prozent der Teilnehmer an, Fleiß und Ehrgeiz seien besonders wichtige gesellschaftliche Werte.

Um die sozialen Sicherungssysteme des Staates zu entlasten, zeigen sich viele Menschen bereit, eigenverantwortlich für ihre Rente vorzusorgen. Staatlich garantierte Sicherheit fordern die Befragten hingegen im Gesundheitswesen. Anders als noch vor drei Jahren, sprach sich eine Mehrheit für eine umfassende gesetzliche Krankenversicherung aus, auch wenn die Beiträge steigen sollten.

Mehr als 60 Prozent der Teilnehmer gaben an, gern in Deutschland zu leben, wobei es in der Bewertung der Lebensqualität ein starkes Ost-West- sowie ein Nord-Süd-Gefälle gibt. So sind in Freiburg 84 Prozent der Menschen zufrieden, in Halle/ Saale aber nur 35 Prozent. Das beliebteste Bundesland ist laut Umfrage Baden-Würtemberg, Schlusslicht wurde Sachsen-Anhalt.

„Perspektive Deutschland“ ist die größte repräsentative gesellschaftspolitische Umfrage. Sie wurde 2005 zum fünften Mal in Folge von Mc Kinsey, dem „Stern“, dem ZDF und Web.de in Auftrag gegeben.

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