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Soziale Spaltung : Jeder fünfte Deutsche fühlt sich arm und ausgegrenzt

16 Millionen Deutsche können einer neuen Studie zufolge ihre laufenden Rechnungen nicht mehr begleichen. Sie fahren nicht in den Urlaub oder haben sogar Schwierigkeiten, eine warme Mahlzeit zu bezahlen.

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Laut Statistischem Bundesamt ist jeder fünfte Deutsche von Armut betroffen.
Laut Statistischem Bundesamt ist jeder fünfte Deutsche von Armut betroffen.Foto: dapd

Etwa jeder fünfte Deutsche ist im vergangenen Jahr von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen gewesen. Das sind rund 16 Millionen Menschen, deren Einkommen weniger als 952 Euro beträgt. Diese Zahlen aus der Erhebung „Leben in Europa 2011“ veröffentlichte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag. Für die Erhebung wurden in Deutschland rund 13.500 Menschen befragt. Armut oder soziale Ausgrenzung ist nach der Definition der EU gegeben, wenn bei den befragten Haushalten eines oder mehrere der drei Kriterien „Armutsgefährdung“, „erhebliche materielle Entbehrung“ oder „Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung“ vorliegen.

Das bedeutet der Erhebung zufolge, dass die Betroffenen aus finanziellen Gründen heraus beispielsweise ihre laufenden Rechnungen nicht begleichen können, nicht mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit einnehmen, keine notwendigen Anschaffungen tätigen, nicht in den Urlaub fahren oder sich keinen Pkw leisten.

Frauen waren mit einer Quote von 21,3 Prozent im Jahr 2011 häufiger von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen als Männer (18,5 Prozent). Während die unter 18-Jährigen mit einer Quote von 19,9 Prozent dem Bundesdurchschnitt entsprachen, waren ältere Menschen ab 65 Jahren seltener (15,3 Prozent) und Personen zwischen 18 und 64 Jahren häufiger (21,3 Prozent) betroffen.

Armut lasse sich nicht allein an einer Einkommensschwelle festmachen, sagte Destatis-Expertin Silvia Deckl. Der Indikator sage wenig aus, meint dagegen der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider. Er könne höchstens ein Signal sein. Wesentlich aussagekräftiger und objektiver sei die Armutsgefährdungsquote, die aus den Einkommen errechnet wird. Das Armutsrisiko in Deutschland sei seit 2005 etwa gleichgeblieben - die Gefährdungsquote liege seitdem bei etwa 15 Prozent. „Davon kommen wir nicht runter.“ Gründe seien deutlich zu niedrige Hartz-IV-Sätze und eine unzureichende Grundsicherung im Alter.

Im September war der Entwurf für den sogenannten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung bekannt geworden. Demnach ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit 2007 um rund 40 Prozent auf im Jahresdurchschnitt 1,06 Millionen Personen (2011) gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl der sozialversicherten Beschäftigten angestiegen – aber auch die Zahl der Menschen, die zu geringen Löhnen arbeiten müssen. Rund 23 Prozent der deutschen Arbeitnehmer erhalten im Schnitt Niedriglöhne.

Nach den Angaben im Regierungsbericht hat sich das Nettovermögen der privaten Haushalte in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt – auf zehn Billionen Euro. Wobei die reichsten zehn Prozent der Deutschen über mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens verfügen, der unteren Hälfte der Haushalte bleibt gerade mal ein Prozent. (Tsp/dapd/dpa)

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