Sozialpolitik : Bischof Huber fordert aktivere Arbeitsmarktpolitik

Der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber hat die Arbeitsmarktpolitik von Staat und Wirtschaft kritisiert. Teilen der deutschen Wirtschaft warf er mangelndes Verantwortungsbewusstsein und Maßlosigkeit vor.

Hannover - Der derzeitige Aufschwung müsse wesentlich stärker dafür genutzt werden, Arbeitsplätze zu schaffen, sagte Huber der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Er appellierte an die Wirtschaft: "Die verbesserte Rendite sollte in Arbeitsplätze investiert und nicht nur abgeschöpft werden."

Aber die Hoffnung, dass der normale, erste Arbeitsmarkt, alles regeln könne, trüge, betonte der EKD-Ratsvorsitzende. Das gelte vor allem für Menschen, die über 50 Jahre alt sind. "Deshalb sollte es neben dem ersten Arbeitsmarkt und neben dem zweiten Arbeitsmarkt mit seinen zeitlich befristeten, besonderen Arbeitsverhältnissen noch einen dritten Arbeitsmarkt geben, der insbesondere älteren Arbeitslosen einen Neubeginn ermöglicht", sagte Huber.

Nach einem Bericht der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" gibt es in der SPD Überlegungen für einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor für Langzeitarbeitslose. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte der Zeitung, es werde immer Menschen geben, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. "Für diese Menschen wollen wir sinnvolle Tätigkeiten auf einem sozialen Arbeitsmarkt schaffen anstatt ihre Arbeitslosigkeit zu finanzieren." Im Frühjahr werde es dazu konkrete Vorschläge für Projekte auf kommunaler Ebene gegen, für die der Bund auch die finanziellen Voraussetzungen schaffen müsse.

"Forderung nach hohen Lohnabschlüssen ist legitim"

Bischof Huber zeigte in der "Berliner Zeitung" Verständnis für die Forderung von Gewerkschaften nach hohen Lohnabschlüssen in der nächsten Tarifrunde. "Die Forderung ist legitim. Man darf niemandem einen Vorwurf machen, der seinen gerechten Anteil am Wirtschaftswachstum einfordert", sagte er. Er wünsche sich allerdings, dass die Arbeitnehmervertreter in den Tarifrunden auch jene im Blick behalten, die ohne Arbeit sind und eine Stelle suchen. Mit Blick auf die Debatte um Investivlöhne meinte Huber: "Wenn man 2007 in dieser Frage einen Schritt vorankäme, wäre das ein gutes Signal."

Huber kritisierte zugleich Teile der deutschen Wirtschaft. Es gebe Großkonzerne, in denen das Management Gehälter bezieht, "deren Höhe jedes normale Maß übersteigt". Zwar gebe es in der deutschen Wirtschaft viel Verantwortungsbereitschaft. "Besonders in Großkonzernen dreht sich das Denken aber scheinbar oft nur um den Aktienkurs." (tso/dpa/AFP)

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