Sozialpolitik : CDU will "Familienlotsen" für Benachteiligte

CDU-Politiker wollen Kinder aus einkommensschwachen Haushalten besser fördern. Ihr Rezept dafür: Familienlotsen.

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Chancenlos. Kinder aus Hartz-IV-Familien benötigen gezielte Hilfen, meinen Sozialpolitiker der CDU.
Chancenlos. Kinder aus Hartz-IV-Familien benötigen gezielte Hilfen, meinen Sozialpolitiker der CDU.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Sozialpolitiker der CDU wollen Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien gezielter fördern. Dafür fordert die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) eine Bündelung sämtlicher vorhandener Hilfen und die Einführung hauptamtlicher „Familienlotsen“. Diese sollten Betroffenen von Beginn an unter die Arme greifen und als „Schnittstelle“ zwischen Schule, Jugendamt, Jobcenter und freien Trägern fungieren, heißt es in einem Papier der Sozialausschüsse, das am Dienstag in Berlin präsentiert wurde.

Sie seien zuversichtlich, dieses Projekt ins Wahlprogramm der Union zu bekommen, sagten CDA-Chef Karl-Josef Laumann und der sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Karl Schiewerling. „Wir dürfen nicht zulassen, dass den einen die Chancen vererbt werden und den anderen die Chancenlosigkeit."

Hartz-IV-Jugendliche haben nachweisbar geringere Chancen

Wer in einen Hartz-IV-Haushalt hineingeboren werde, habe nachweisbar deutlich geringere Chancen, später einmal einen guten Job zu bekommen und finanziell selbstbestimmt zu leben, so Laumann. Trotz bester Rahmenbedingungen seien hierzulande 2,5 Millionen Menschen schon seit mehr als vier Jahren auf staatliche Transferleistungen angewiesen. Sechs Prozent aller Jugendlichen verließen Jahr für Jahr ihre Schule ohne Abschluss. Und 13 Prozent der 25- bis 34-Jährigen verfügten über keine Berufsausbildung.

Man könne nicht über Fachkräftemangel klagen und eine derartige „Ressourcenverschwendung“ hinnehmen, sagte der CDA-Vorsitzende. Außerdem sei es Aufgabe des Staates, für Chancengleichheit zu sorgen.

Personenbezogene Hilfe statt "ewiges Alimentieren"

Dem Problem sei nicht durch mehr Geld und „ewiges Alimentieren“ beizukommen, sondern nur durch personenbezogene Hilfe aus einer Hand, so Laumann. Viele Betroffene wüssten gar nicht, welche Unterstützungsangebote der Sozialstaat für sie bereithalte. Hinzu kämen komplizierte Antragsverfahren, undurchsichtige Zuständigkeiten. Und nicht zuletzt fehlten den Jugendlichen erwachsene Bezugspersonen, die ihnen Orientierung gäben.

Mit dem Pilotprojekt „Respekt“, bei dem sich Helfer bundesweit an 18 Standorten um schwer erreichbare Jugendliche kümmern, sei bereits erfolgreich Vorarbeit geleistet worden, betonten die Sozialpolitiker. Für die dafür bereitgestellten zehn Millionen Euro pro Jahr lobten sie Sozialministerin Andrea Nahles (SPD). In Berlin-Marzahn etwa erreiche man damit täglich rund 250 Jugendliche Mit den „Familienlotsen“ gelte es diese Hilfen nun zu verstetigen.

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