Sozialpolitik : Experte fordert verbindliche Erziehungskurse für Eltern

Vor dem Hintergrund der gestiegenen Zahl von Inobhutnahmen durch das Jugendamt fordert der Wissenschaftler Klaus Hurrelmann verbindliche Erziehungskurse für alle Eltern.

Berlin"Schon wenn das Kind in die Kita kommt, ist ein fester Rahmen, in dem Eltern und die Institution ihre Erziehungsstile abstimmen, sehr zu wünschen", sagte der Bielefelder Professor für Sozial- und Gesundheitswissenschaften Klaus Hurrelmann dem Tagesspiegel. Als Vorbild nannte er die Berliner Nikolaus-August-Otto-Oberschule, die Eltern von künftigen Schülern dazu verpflichtet, an einem Erziehungskurs teilzunehmen. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hatte am Dienstag mitgeteilt, dass 2007 bundesweit 28.200 Kinder und Jugendliche von den Jugendämtern in Obhut genommen wurden. Dies entspricht einer Zahl von 77 Fällen pro Tag, 2006 waren es noch 71 Fälle.

Hurrelmann wertete den Anstieg als Hinweis auf eine stärkere öffentliche Aufmerksamkeit: "Der Steigerungseffekt beruht darauf, dass viele Laien und auch die Institutionen durch die öffentliche Diskussion in den vergangenen Monaten sensibilisiert sind." Das genauere Hinsehen, das nun stattfinde, sei eine positive Entwicklung. Nun sei eine umfassende Schulung der Fachleute erforderlich. "Der Fall Kevin ist eine Wunde für sie, das Radarsystem der Behörden hatte den Jungen schon erfasst, trotzdem wurde versäumt, im richtigen Moment zu handeln." Hurrelmann mahnt die Entwicklung einer Checkliste an, die Sozialarbeitern dabei hilft zu entscheiden, ob eine Vernachlässigung vorliegt und ein Eingreifen erforderlich macht. (Tsp)

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