Sozialpolitik : Jüttner lädt zu nationaler Kinderarmutskonferenz

Wolfgang Jüttner, der Vorsitzende der Kommission "Kampf gegen Kinderarmut" des SPD-Parteivorstandes, sieht auf dem Gebiet Kinderschutz dringenden Handlungsbedarf.

Berlin"Innerhalb der nächsten drei Monate werde ich alle wichtigen gesellschaftlichen Kräfte an einen Tisch bringen", sagte Jüttner dem Tagesspiegel am Sonntag in Berlin. "Wir stehen bereits in intensivem Kontakt mit zahlreichen Verbänden und anderen Beteiligten. In den nächsten Wochen werden Vertreter aller relevanten Gruppen eine Einladung zu einer nationalen Kinderarmutkonferenz erhalten." Eingebunden werden in den Kampf gegen Kinderarmut unter anderem Kinderschutzbund, Familienverbände, kommunale Spitzenverbände, Wohlfahrtsverbände, Unicef, Gewerkschaften und Arbeitsgeberverbände, Sportvereine sowie Praktiker wie Sozialarbeiter und Familienhebammen.

Jüttner sieht dringenden Handlungsbedarf: "Einerseits plagen uns Nachwuchssorgen, andererseits müssen bei uns in Deutschland rund zwei Millionen Kinder in Armut leben. Es ist eine Schande, dass Kinderarmut in Deutschland seit 1990 stärker gestiegen ist als in den meisten anderen Industrienationen, wie eine aktuelle Unicef-Studie belegt. Armut hat unweigerlich Folgen für die Gesundheit von Kindern. Das dürfen wir nicht länger hinnehmen. Entscheidend ist, dass alle Kinder in ihrem Leben Chancen erhalten und nicht von vornherein wegen ihrer Umgebung als Verlierer abgestempelt werden. Schul- und Ausbildung dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein, daher gehört beispielsweise die Lernmittelfreiheit eingeführt. Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch die Arbeitsmarktsituation der Eltern. Das heißt: Eine auskömmliche Arbeit etwa durch einen Mindestlohn und eine gerechte Lohnpolitik schützen Kinder vor Armut."

Die Kommission Kampf gegen Kinderarmut setzt sich zusammen aus Politikern aus Bund, Ländern und Kommunen sowie Vertreterinnen und Vertretern der gesellschaftlichen Gruppen, die mit dem Thema Kinderarmut konfrontiert sind. Bis Januar 2008 sollen erste Ergebnisse in Form eines Sofortprogramms vorgelegt werden. (Tsp)

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