Sozialpolitik : Rentenerhöhung sorgt für Streit zwischen Jung und Alt

Das Bundeskabinett will die Renten außerplanmäßig erhöhen. Der Extra-Zuschlag kostet in den nächsten Jahre rund zwölf Milliarden Euro. In den Parteien bricht ein Generationen-Konflikt aus.

Berlin Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf mit der außerplanmäßigen Rentenerhöhung um 1,1 Prozent beschlossen. Die Anhebung beträgt 0,64 Prozentpunkte mehr, als den 20 Millionen Ruheständlern nach der Rentenformel zustünde. Auch im kommenden Jahr sollen sie einen Extra-Zuschlag erhalten. Unterdessen geht der Streit in den Parteien und zwischen Alt und Jung über die Erhöhung weiter.

Jungen Liberale: Wahlgeschenk an die Rentner

Die Jungen Liberalen kritisierten die Erhöhung erneut als Wahlgeschenk an die Rentner. Die Bundesregierung sollte "dringend davon Abstand nehmen, denn auf unverantwortliche Weise wird hier in die vor wenigen Jahren so mühsam ausgehandelte Rentenformel hineingepfuscht", erklärte der Vorsitzende Johannes Vogel.

Die Koalition will den die Rentenentwicklung dämpfenden Riester-Faktor für zwei Jahre aussetzen. Der Bonus soll aber mit den Rentenanpassungen 2012 und 2013 wieder verrechnet werden. Der Extra-Zuschlag verursacht über die nächsten Jahre Kosten von zwölf Milliarden Euro.

Der CDU-Haushaltsexperte Steffen Kampeter warnte vor einer "Rentenerhöhung auf Pump". Entscheidend sei eine solide Finanzierung der Erhöhung, sagte Kampeter der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Kosten müsse das Bundesarbeitsministerium überwiegend selbst einsparen.

Inflation frisst Rentenerhöhung auf

Der Präsident des Sozialverbandes VdK Walter Hirrlinger hält die Anhebung noch nicht für gesichert. "Zunächst einmal muss abgewartet werden, ob die jungen Abgeordneten im Bundestag nicht alles versuchen werden, das noch zu verhindern", sagte Hirrlinger der "Thüringer Allgemeinen". "Eine ganze Reihe von Abgeordneten schießen immer noch dagegen, weil sie meinen, die Alten leben auf Kosten der Jungen." Dies sei eine "Missachtung der älteren Menschen".

Hirrlinger warnte in der "Passauer Neuen Presse" davor, den Riester-Faktor später nachzuholen. Angesichts der hohen Inflation bleibe den Rentnern unterm Strich von den 1,1 Prozent Erhöhung nichts übrig. Im Gegenteil, es seien weitere Rentenkürzungen zu erwarten: "Das halte ich für unerträglich." (ae/dpa)

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