Sozialreport 2010 : Mehrheit der Deutschen ist der Meinung, es gäbe zu viele Ausländer

72 Prozent der Deutschen stimmen der Aussage zu, es gäbe in Deutschland "zu viele Ausländer" und "ihre Zahl" müsse "in den nächsten Jahren reduziert werden". Dies ergab eine repräsentative Studie des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums Berlin-Brandenburg.

73 Prozent der Deutschen fordern der im Auftrag des Bundesverbands der Volkssolidarität erstellten Studie zufolge, dass sich Ausländer den hiesigen Begebenheiten mehr anpassen sollten. Zudem glauben 83 Prozent der 2090 Befragten, dass "Ausländer viele soziale Probleme verschärfen."

Obwohl im Osten Deutschlands deutlich weniger ausländische Mitbürger leben, war die Zustimmung dort nicht geringer sondern teilweise sogar stärker. "Im Osten fehlt zwar die eigene Erfahrung im Umgang mit Ausländern, aber manche Klischees werden bereitwillig übernommen", sagte der Präsident der Volkssolidarität Gunnar Winkler. Vor allem Arbeitslose vertreten nach der Studie die Auffassung, es gäbe zu viele Ausländer.  Dies sei auf die Annahme zurückzuführen, "dass sich mit der Reduzierung der ausländischen Bevölkerung die eigene Situation verbessern würde", heißt es im Fazit der Studie. Die Haltung jüngerer Menschen zu Ausländern sei generell freundlicher als die älterer Menschen, aber auch sie sei nicht hinreichend integrativ. Präsident Winkler bezog sich auch auf die Thesen des SPD-Politikers Thilo Sarrazin, die in den vergangenen Tagen für heftige Diskussionen gesorgt hatte: "Ich verurteile die Aussagen von Herrn Sarrazin und halte sie für gefährlich, weil sie teilweise den Boden für Ressentiments bereiten.“

Laut Studie stimmen nur 18 Prozent der Deutschen der Aussage voll zu, dass "Ausländer unser Leben bereichern", 53 Prozent glauben dies zumindest teilweise. Immerhin 78 Prozent denken, dass ausländische Bürger zum Wohlstand in Deutschland beitragen. Dass die Bundesrepublik "aufgrund des Elends in vielen Teilen der Welt" mehr Ausländer aufnehmen sollte, fordern 22 Prozent.

Für den "Sozialreport 2010" befragte das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Bürger, die älter als 18 Jahre sind und in West- und Ostdeutschland leben. Im Fokus der Studie standen die Positionen der Deutschen zu zwanzig Jahren Deutsche Vereinigung, der Wohlfahrtsverband erhebt diese Zahlen seit 1990. In diesem Jahr wurden erstmals auch Bürger der alten Bundesländer zu ihrem Standpunkt befragt. (Tsp)

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