Sozialverbände : Sozialverband warnt vor neuer Armut

"Abhängt und ausgegrenzt" - Arbeiterwohlfahrt sieht den Zusammenhalt der Gesellschaft durch wachsende Ungleichheit gefährdet.

Mehmet Ata

BerlinDer Sozialverband Arbeiterwohlfahrt (Awo) sieht den Zusammenhalt der Gesellschaft durch wachsende Ungleichheit gefährdet. „Jetzt schon fühlen sich erhebliche Teile der Bevölkerung abhängt und ausgegrenzt. Abstiegsängste machen sich bis weit in den Mittelstand breit“, warnte der Awo-Vorsitzende Rainer Brückers am Donnerstag bei der Vorstellung des neuen Sozialberichts der Awo. Die ungleiche Verteilung von Kosten bedrohe den sozialen Frieden. Wie die Politik und die sozialen Träger mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise und die demografischen Veränderungen umgehen, entscheide über den Zusammenhalt oder die weitere Spaltung der Gesellschaft.

Brückers warnte vor einer neuen Armut in Deutschland. „Wenn die Reintegration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt künftig nicht noch besser gelingt“, werde die Altersarmut in Deutschland rapide wachsen, sagte er. Für die Arbeitslosen forderte Brückers „Hilfe aus einer Hand“. Die Abstimmung der Maßnahmen müsse verbessert werden. Die Awo will einen Mindestlohn durchgesetzt sehen, um Menschen vor Armut zu schützen. „Lohnarmut führt zu Kinderarmut und mündet in Altersarmut“, warnte Brückers.

Das Bildungssystem werde dem Anspruch der Chancengerechtigkeit nicht gerecht, sagte Brückers. Es selektiere und sei „fundamental falsch aufgestellt“. Die soziale Herkunft der Schüler bestimme ihren Bildungserfolg. Die Awo verlangt einen Ausbau der frühkindlichen Erziehung. Die Politik fördere diesen Ausbau nur „halbherzig und inkonsequent“. Die frühkindliche Erziehung sei chronisch unterfinanziert. Brückers forderte eine gebührenfreie Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern und eine Grundsicherung für sie.

Der neue Sozialbericht beinhaltet auch Forderungen für Migranten, Alte und Behinderte. Die Awo fordert die Anerkennung von doppelten Staatsbürgerschaften und die Integration behinderter Kinder in das reguläre Schulsystem. Behinderten müsse Selbstbestimmung und Teilhabe ermöglicht werden. Alte Menschen wünschten sich ambulante und häusliche Pflege, heißt es im Bericht. Sie sei aber derzeit unterfinanziert.

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