Politik : „Sozialverträgliches Frühableben“

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Gleiche Operation – gleiche Reaktion. Bereits vor vier Jahren gab es ein rotgrünen Vorschaltgesetz, ausgearbeitet von der grünen Gesundheitsministerin Andrea Fischer. Wie Nachfolgerin Ulla Schmidt wollte Fischer die Gesundheitskosten dämpfen, wenigstens ein Jahr lang Beitragserhöhungen stoppen, um dann eine Strukturreform im Gesundheitswesen durchzusetzen. Die Ärzte waren empört, riefen zum Streik auf, prophezeiten den Patienten in einer Anzeigenkampagne, sie müssten sich von ihren gewohnten Medikamenten verabschieden und bald ganz auf Arzneien verzichten. Die Apotheker erklärten, tausende von Arbeitsplätzen in ihrer Branche seien bedroht. Der damalige Ärzte-Chef Karsten Vilmar beschrieb die angeblichen Folgen des rot-grünen Spargesetzes auf seine Weise: „Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen.“ Vilmars „sozialverträgliches Frühableben“ avancierte 1998 zum Unwort des Jahres. Mal sehen, was den Ärztefunktionären 2002 einfällt. Bis Silvester bleibt ja noch etwas Zeit. M.G.

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