Spanien : Baske nimmt Rache an Eta und fürchtet um sein Leben

Vor den Regionalwahlen wird ein Baske zum Volkshelden: Mit einem Vorschlaghammer rächte er sich für den Bombenterror der Eta. Jetzt muss er um sein Leben fürchten.

Ralph Schulze

BilbaoDas nordspanische Baskenland hat einen neuen Helden. Emilio Gutierrez, ein 35-jähriger Mann aus dem kleinen Dorf Lazkao, der in einem Wutanfall und mit dem Vorschlaghammer in den Fäusten der Terrororganisation Eta den Krieg erklärte. Er marschierte in eine jener Bars der Eta-Anhänger, in denen die Terroristen als „Volkssoldaten“ gefeiert werden, und zertrümmerte das Mobiliar. Aus Rache dafür, dass die Extremisten mit einer Bombe das lokale Büro der in Spanien regierenden Sozialdemokraten in Schutt und Asche gelegt hatten. Und dabei auch Gutierrez’ darüber liegende Wohnung in eine Ruine verwandelten.

Das war nicht die einzige Bombe, mit der die Eta in den Wahlkampf in jener Konfliktregion eingriff, in der an diesem Sonntag eine neue Regierung gewählt und damit indirekt auch über Unabhängigkeitsbestrebungen abgestimmt wird. Vor zwei Wochen zündete die Eta in der spanischen Hauptstadt Madrid eine Autobombe. Baskische Abgeordnete der pro- spanischen Parteien erhielten außerdem Morddrohungen.

Auch Emilio Gutierrez’ Name steht nun auf der Todesliste. Er musste samt Familie aus seinem Heimatdorf flüchten, in dem die Eta-Sympathisanten gut die Hälfte der etwa 5000 Einwohner ausmachen. Dass ein normaler Bürger es wagte, sich dem Eta-Terror mit einem Akt der Selbstjustiz entgegenzustellen, das hat es im Baskenland schon lange nicht mehr gegeben. Viele Eta-Gegner feiern ihn nun als „Helden von Lazkao“. Sein Gegenangriff sei zwar nicht die feine Art gewesen, hieß es seitens pro-spanischer Politiker aus den Reihen der Sozialdemokraten und Konservativen. Doch man habe „Verständnis“. Schließlich leidet das Baskenland seit mehr als 30 Jahren unter dem Terror der Eta, die Andersdenkende systematisch einschüchtert und mit Gewalt die Abspaltung der Region von Spanien erzwingen will. Die Eta brachte bisher knapp 850 Menschen um.

Die Regionalwahl an diesem Sonntag im Baskenland, in dem 2,2 Millionen Menschen leben, ist spannend wie schon lange nicht mehr: Umfragen zufolge ist der Vorsprung der baskisch-nationalistischen Partei PNV mit ihrem Chef Juan Jose Ibarretxe (51), der seit zehn Jahren regiert und auf politischem Wege für eine Trennung des Baskenlandes von Spanien eintritt, deutlich geringer geworden. Die Sozialdemokraten des spanischen Ministerpräsidenten José Luis Zapatero (48) könnten stark aufholen und sogar mit ihrem regionalen Kandidaten Patxi Lopez (49) einen Machtwechsel ermöglichen.

Zapatero und Lopez bieten den Basken mehr Autonomie an, lehnen aber eine Unabhängigkeit ab. Und sie versprechen: „Die spanische Gesellschaft wird den Kampf gegen die Eta gewinnen.“ Erstmals werden die Eta-Sympathisanten, deren Zahl im Baskenland auf 150 000 bis 200 000 Menschen geschätzt wird, nicht mit ihren radikalen Kandidaten antreten können. Ihre Wahlplattformen wurden von Spaniens Oberstem Gerichtshof ausgeschlossen, weil sie als ferngesteuerte Ableger der Eta gelten.

Die Anhänger der Terrororganisation wollen trotzdem abstimmen, massenhaft ungültige Wahlzettel abgeben und so ihr Protestvotum sichtbar machen. Damit folgen sie einer Aufforderung der Eta, die kurz vor der Wahl mit neuem Terror drohte und die Abstimmung als „undemokratisch“ und „politischen Betrug “ bezeichnete.

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