Spanien : Mutter der Kompanie

Carme Chacon führt nun die spanische Armee. Die neue Verteidigungsministerin erwartet in zwei Monaten ihr erstes Kind.

Ralph Schulze

Madrid - Angespannte Miene, schulterlange blonde Haare, schwarzes kurzes Jackett, lange weite Bluse, die den dicken Schwangerschaftsbauch verdeckt. So zog die „Normalität“ in Spaniens Streitkräfte ein, wie der sozialdemokratische Regierungschef Jose Luis Zapatero es nannte. Verkörpert durch die neue Verteidigungsministerin Carme Chacon, die am Montag ihr Amt antrat und an der Seite ihres Vorgängers Jose Antonio Alonso stolz die Ehrenformation abschritt.

„Hoch lebe Spanien und der König“, rief die 37-Jährige, wie es die Militärtradition gebietet, mit fester Stimme den Soldaten zu. Ein großer Tag für Spaniens Geschichte. Und für den Kampf gegen die spanische Männergesellschaft, in der Frauen meist noch wenig zu sagen haben. Die gelernte Juristin, frühere Wohnungsbauministerin und Zapatero-Vertraute ist die erste Frau, die Spaniens Armee mit ihren 130 000 Soldaten als Verteidigungsministerin führt. Und dazu auch noch hochschwanger. In etwa zwei Monaten erwartet sie ihr erstes Kind, einen Jungen; Vater ist übrigens ein früherer Regierungssprecher. Wenigstes für einige Wochen wird sie sich im Sommer in den Mutterschaftsurlaub verabschieden. Auch wenn sie „so schnell wie möglich“ nach der Geburt wieder an die Spitze des Ministeriums zurückkehren will. „Ich werde versuchen, meine Mutterschaft und meine Verantwortung so gut wie möglich zu vereinbaren“, verspricht Chacon. „So wie es viele Frauen in unserem Land machen.“ Die Reformen hat das Land Zapatero zu verdanken, der seit 2004 im Amt ist und gerade für weitere vier Jahre bestätigt worden war. Er regiert mit einem Kabinett, in dem neun Ministerinnen und acht Minister sitzen. Der Regierungschef will im Land der Stierkämpfer die totale Gleichstellung der Frauen durchsetzen. Keine leichte Aufgabe in einer konservativ-katholisch geprägten Nation, in der die Frauen unter der Franco-Diktatur praktisch entmündigt waren. Insofern gilt Chacons Berufung als wichtiges Aufbruchssignal.

Die höchsten Kommandopositionen wie etwa der Generalsrang blieben spanischen Soldatinnen bisher verwehrt. Dies dürfte sich unter Verteidigungsministerin Chacon ändern, die ankündigte, Frauen in der Armee die gleichen Chancen zu ebnen wie den Männern. Rechtskonservative Kritiker aus den Reihen der Streitkräfte bezeichneten Chacons Berufung allerdings als „Provokation“. Und auch in Medien der christdemokratischen Opposition wurde die Ernennung der „Pazifistin“ Chacon als „Respektlosigkeit“ gegenüber der Armee gebrandmarkt. Ralph Schulze

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