Politik : Spanien: "Wir wussten gar nicht, worum es ging"

Andreas Klinger

Die baskische Terrororganisation Eta hat am Samstag erneut versucht, ein Blutbad unter Spanien-Touristen anzurichten. Dazu hatte die Eta einen Renault 25 aus Cordoba mit 40 bis 50 Kilogramm Dynamit präpariert und auf dem Parkplatz des Hotels "Cala Font" im nordspanischen Salou in der Nähe von Tarragona abgestellt. Glücklicherweise konnte die Polizei aber noch rechtzeitig eingreifen. Nachdem ein anonymer Anrufer um 7.09 Uhr im Namen der Eta angekündigt hatte, dass um acht Uhr eine Autobombe in dem Hotel explodieren werde, evakuierten die Beamten insgesamt 824 Urlauber, darunter acht Deutsche. Der schnelle Einsatz sorgte dafür, dass die Bombe lediglich einige Hotelfenster und 15 parkende Autos zerstörte, als sie um 8.03 Uhr in die Luft ging.

Eine spanische Touristin berichtete, dass die Bewohner des Hotels kurz nach 7 Uhr durch ein Klopfen an den Türen geweckt wurden. "Jemand rief, dass wir evakuiert werden müssten und dass wir nur sehr wenig Zeit hätten. Wir wussten gar nicht, worum es ging," berichtet die Touristin nach der glücklich überstandenen Evakuierung.

Die Detonation war in ganz Salou und sogar in einigen Nachbarorten zu hören. Sie wurde von über 1000 Touristen und Schaulustigen beobachtet. Um 10.30 Uhr gaben die Sicherheitskräfte Entwarnung. Die Urlauber konnten in ihre Zimmer zurückkehren und anschließend kostenlos in anderen Hotels frühstücken. Wie die Regierung in Madrid am Samstag auf Anfrage bestätigte, blieben die Betroffenen gelassen, so dass keine Probleme auftraten. Demnach wurden elf Touristen und zwei Beamte der Guardia Civil lediglich "sehr leicht verletzt", weil sie sich an Glassplittern schnitten oder bei der Evakuierung blaue Flecken davontrugen. Deutsche befanden sich nicht unter den Verletzten, da in dem Hotel vor allem Spanier, Briten und Russen Urlaub machten.

Für den Notstand gerüstet

Gut 100 Touristen mussten in anderen Hotels untergebracht werden. Das klappte problemlos, da es für Zwischenfälle wie Bomben oder Feuer in allen spanischen Urlaubsgebieten Notstandspläne gibt, die gut funktionieren. Einige der Urlauber mussten allerdings mit Unterkünften in den Nachbarorten Reus (in zehn Kilometer Entfernung) und Villaseca (drei Kilometer) vorlieb nehmen, da in Salou nicht genug Betten frei waren, um alle unterzubringen. Nach Angaben der Hotelleitung und des ebenfalls evakuierten kleinen Nachbarhotels "Cap Salou" wird der Schaden schon in wenigen Tagen behoben sein, da der Parkplatz nicht überdacht und nicht mit dem Hotel verbunden war, so dass die Wände der Gebäude nicht beschädigt wurden.

Die Bombe von Salou ist bereits der dritte Versuch der Eta innerhalb weniger Wochen, ein Blutbad unter Touristen anzurichten. Vor drei Tagen explodierten bei Ciudad Real zwei kleinere Sprengsätze auf der Strecke des Hochgeschwindigkeitszugs AVE von Madrid nach Sevilla, die allerdings nur Verspätungen und geringen Sachschaden anrichteten. Zuvor konnte die Polizei auf dem Flughafen von Malaga eine Autobombe mit 50 Kilogramm Dynamit kontrolliert zur Explosion bringen, so dass ebenfalls kaum Schaden entstand.

Kurz vor Ostern hatte die Eta eine Offensive gegen Spaniens Tourismus-Wirtschaft angekündigt und in Roses bei Girona und Gandia bei Valencia zwei Autobomben gezündet, die einen Polizisten töteten und zwei Hotels stark beschädigten.

Treffen mit den Basken

Kaum 20 Stunden vor dem Attentat in Salou hatten der Madrider Staatssekretär für Innere Sicherheit, Pedro Morenes, und der baskische Vize-Innenminister Mikel Legarda vereinbart, ihre Zusammenarbeit gegen die Eta zu verstärken. Demnach soll künftig nach jeder Polizeiaktion, jedem Attentat und jeder größeren Randale-Aktion der Eta-Jugend umgehend ein außerordentliches Abstimmungstreffen zwischen der National-Polizei, der Guardia Civil und der autonomen baskischen Polizei stattfinden.

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