Politik : SPANIEN

Populistische Töne nehmen zu.

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Dani Alves weiß, wovon er spricht: Wenn der dunkelhäutige Rechtsaußen des spanischen Spitzenklubs FC Barcelona aufs Spielfeld läuft, schallt ihm öfter der Schmähruf „Affe“ entgegen. Es gebe „viel Rassismus in Spanien“, beklagte sich einmal der brasilianische Fußballstar. Das sei für ihn und seine Familie „traurig“, aber er habe sich daran gewöhnt.

Untersuchungen zufolge nehmen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit im Tourismusland Spanien, in dem Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not wachsen, seit Jahren zu. „Dieser Anstieg wurde angefacht durch die Politiker“, beklagt die Menschenrechtsbewegung „SOS Racismo“ in ihrem jüngsten Bericht. „Es setzt sich immer mehr die Mentalität durch: Wenn es nicht für alle reicht, dann zunächst für die Spanier.“

Populistische Töne nehmen zu: Voran marschiert die große konservative Volkspartei, welche gerade haushoch die Wahl gewann und die neue Regierung stellt: „Die Kapazität Spaniens, Einwanderer aufzunehmen, ist begrenzt“, warnte schon vor geraumer Zeit Spaniens heutiger Ministerpräsident Mariano Rajoy. Vier von zehn Spaniern seien dafür, arbeitslose Einwanderer abzuschieben, konstatiert die staatliche „Kommission gegen Rassismus“. Eine große Mehrheit sei zudem der Meinung, dass die Zahl der Ausländer „exzessiv“ sei. „Die Spanier denken, dass die Immigranten das soziale System missbrauchen. Und dass diese mehr vom Staat kassieren, als sie zum Gemeinwohl beitragen.“ Auch wenn dies wenig mit der Wirklichkeit zu tun habe.

Rechtsradikale Parteien haben trotzdem in Spanien nicht Fuß fassen können. Auch von rechtem Terror blieb Spanien in den vergangenen Jahren verschont. Wohl aber gibt es mit unschöner Regelmäßigkeit Berichte über rassistisch motivierte Gewalttaten gegenüber afrikanischen Einwanderern. In den vergangenen zehn Jahren hat kein europäisches Land so viele Einwanderer aufgenommen wie Spanien, das lange als Immigrationsparadies galt. Bis zu eine Million Menschen kamen früher pro Jahr ins Land. Jetzt ist der Ausländeranteil in Spanien mit mehr als zwölf Prozent annähernd doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. Ralph Schulze

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