Politik : Spanien

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Oliver Rappoport,
Generation 25



In dem gegenwärtigen Europa strömen alle Kulturen zusammen. Mit Respekt, Wertschätzung und Einigkeit der unterschiedlichen Rassen können wir den Kurs des Zusammenlebens in Richtung eines heilbringenderen Europas einschlagen. Voraussetzung dafür ist das Vorhandensein eines globalen Bewusstseins, das die menschlichen Werte über diejenigen irgendeiner Religion oder politischen Ideologie erhebt, ohne dabei zu vergessen, dass wir in erster Linie Bewohner dieser Erde sind.

Der Autor, Jahrgang 1980, Komponist, lebt in Spanien, Paris und Berlin. Übersetzt aus dem Spanischen von Maike Meinert.

José Luis Turina,
Generation 50

Beethoven und Brahms in Wien, Mozart in Paris und Prag, Haydn in London, Scarlatti und Boccherini in Spanien, das Italienische Konzert und die Französischen und Englischen Suiten von J.S. Bach, Iberia von Débussy... Die abendländische Musik der letzten 300 Jahre hat eine solch starke Berufung zu Europa, dass die Bildung und Ausweitung der Europäischen Union von den Bewohnern dieses Erdteils nur als logische Weiterentwicklung verstanden werden kann. Im Gegensatz zu den Nationalisten und Kleinbürgern, welche außerstande sind über den eigenen Tellerrand zu schauen, streckte sich der offene Geist der größten Künstler schon immer dieser Ausweitung entgegen. Eben dieses lebendige Verhalten inspiriert zugleich die Mitmenschen zu Gedanken über das Menschsein, sei es kulturell, politisch oder einfach ökonomisch. Wir sind vom Glück begünstigt, weil wir zu einem historischen Zeitpunkt leben, aber wir wären es noch viel mehr, wenn wir wüssten, wie wir diesen Zustand auch in der Zukunft beibehalten und erreichen könnten.

Der Autor, Jahrgang 1952, ist Komponist und Künstlerischer Leiter des Nationalen Spanischen Jugendorchesters. Übersetzt aus dem Spanischen.



Marciano Villanueva Salas,
Generation 75



Ich bin Europäer. Ich fühle mich als europäischer Bürger. Und ich bin mit dem gegenwärtigen Europa zufrieden. In den Tagen meiner Kindheit und Jugend erlebte ich ein verfeindetes Europa. In den Schulen wurde uns gegenüber im Zusammenhang mit den anderen europäischen Nationen von Rivalität, ja sogar Feindseligkeit gesprochen.
Heute ist die Situation vollkommen anders. Die Beseitigung von Zollkontrollen, die Abschaffung von Pässen und die Einführung der einheitlichen Währung sind nur einige Beispiele, die den europäischen Bürgern Horizonte von physischer und seelischer Freiheit eröffnen, die noch vor einigen Jahrzehnten undenkbar gewesen waren. Das ist der Weg, den man entschiedenen Schrittes weitergehen muss, bis wir erreicht haben, dass sich kein europäischer Bürger in irgendeiner Ecke Europas als Ausländer fühlt, damit man sich unter seinesgleichen wie im eigenen Land bewegt und trifft.

Der Autor, Jahrgang 1927, ist Theologe, Autor und Übersetzer von zahlreichen theologischen Werken. Übersetzt aus dem Spanischen von Maike Meinert.



César Antonio Molina

Europa war Jahrhunderte lang der Keim der außergewöhnlichsten kulturellen Schöpfungen, aber obwohl wir stolz darauf sind, vergessen wir das ziemlich häufig. Genauso, wie die europäischen Kriege Bürgerkriege waren, teilen wir die Kultur im höheren Maße ein, als wir es uns manchmal vorstellen, doch Bach, Cervantes, Shakespeare, Proust, Mozart, die griechischen Philosophen, Kafka, Chopin, Kierkegard, Fernando Pessoa und Rembrandt sind gemeinsame Bezugspunkte für alle. Europa ist vor allem ein Synonym für Kultur; es ist in sich ein kulturelles Konzept, und von ihm mit seinen Sprachen und Kulturen sind Keime ausgegangen, die sich über alle Kontinente ausgebreitet und sich auf ihnen angesiedelt haben und die Tag für Tag zu uns zurückkehren, um uns klüger und besonnener zu machen. Heute erweist sich die Schaffung eines gemeinsamen Kulturraumes unerlässlicher als je zuvor, denn die Kultur ist immer voraus.

Der Autor, Jahrgang 1952, ist seit 2004 Direktor des Instituto Cervantes. Übersetzt aus dem Spanischen von Maike Meinert.

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