Spanienreise : Kurzsichtige Kritik an Michelle Obama

Eine Kampagne, die nach hinten losging: Wie der Versuch von Konservativen fehlschlug, Michelle Obamas Spanienreise zu instrumentalisieren.

von
Michelle Obama und ihre Tochter unter andalusischer Sonne im Städtchen Ronda.
Michelle Obama und ihre Tochter unter andalusischer Sonne im Städtchen Ronda.Foto: AFP

In den USA hat die politische Sommerpause begonnen. Die Abgeordneten und Senatoren sind am Wochenende in ihre Heimatorte zurückgekehrt, um „Arbeit im Wahlkreis“ zu leisten, wie der Terminplan des Kongresses vermerkt. Präsident Barack Obama war den Großteil der vergangenen Woche allein zu Haus. Die ältere Tochter Malia, inzwischen zwölf Jahre alt, verbringt vier Wochen in einem Summer Camp – wie es Millionen amerikanischer Kinder tun: übernachten im Schlafsack in Zelt oder Blockhütte, weit weg von der städtischen Zivilisation. Wo genau, verrät das Weiße Haus nicht, um die Medien fernzuhalten.

First Lady Michelle Obama und die jüngere Tochter Sasha, neun Jahre alt, flogen am Mittwoch, dem 49. Geburtstag des Präsidenten, für fünf Tage nach Spanien. Am Freitag besichtigten sie die Alhambra in Granada. Am Sonntag aßen sie mit König Juan Carlos, Königin Sofia und deren Schwiegertochter, Kronprinzessin Letizia, in deren Sommerresidenz in Palma de Mallorca zu Mittag.

In wirtschaftlich schweren Zeiten können extravagante Urlaube der politischen Elite zum politischen Problem werden. Konservative Kolumnisten testeten, ob sich aus der Spanienreise der First Lady politisch Kapital schlagen lässt. In weniger als drei Monaten wird der Kongress neu gewählt. Im Boulevardblatt „New York Daily News“ warf Andrea Tantaros, eine den Republikanern nahestehende Kommentatorin, Michelle Obama direkt vor dem Abflug, vor, sie verhalte sich wie eine moderne Marie Antoinette – jene französische Königin, die kurz vor Ausbruch der Revolution ihre Realitätsferne mit der Frage untermauerte: Wenn die Armen hungrig seien und kein Brot hätten, „warum essen sie nicht Kuchen?“.

Tantaros behauptete, die First Lady reise mit riesigem Gefolge, habe 60 bis 70 Zimmer in einem Mehr-Sterne-Resort gebucht mit Zimmerpreisen bis zu 2500 Dollar pro Nacht. Das passe nicht in eine Zeit, in der viele Bürger mit jedem Penny rechnen müssten.

Doch der Kampagnenversuch schlug fehl, jedenfalls in den USA. Nur die einschlägigen konservativen Meinungsmacher verstärkten die Kritik. Die Leserumfrage der „New York Daily News“ ergab das umgekehrte Stimmungsbild: 73 Prozent bewerten die Spanienreise positiv, weil sie Amerikas Image im Ausland diene. Nur 27 Prozent teilen die Kritik.

Prompt wechselte das Boulevardblatt den Kurs und jubelte in der Freitagausgabe: „Michelle ist ein Hit in Spanien“. Die First Lady bezahle im Übrigen alle Kosten, die für sie, ihre Tochter und deren mitgereiste Freundinnen anfallen, aus eigener Tasche. Der Steuerzahler komme nur für die mitreisenden Personenschützer auf: 148 000 Dollar.

Die „New York Times“ verteidigte die First Lady. Sie habe sich eine ungestörte Sommererholung mit ihrer Tochter verdient. Stattdessen werde „jeder ihrer Flamenco-Schritte von Europas Medien verfolgt“. Und zu Hause fragten manche, ob diese Reise klug sei, wenn parallel neue Arbeitsmarktzahlen bekannt werden: Im Juli gingen 131 000 Jobs verloren. Die Fakten, auf denen die konservative Kritik basiere, hätten sich jedoch bei Nachfragen als „übertrieben“ herausgestellt. Michelle reise nicht mit einer Gefolgschaft von 40 Freundinnen, sondern zwei Freundinnen sowie vier Freundinnen ihrer Tochter. Für diese Personen erstatte sie der Steuerkasse die Kosten für Flugtickets erster Klasse. Auf die Zahl der mitreisenden Personenschützer habe sie keinen Einfluss. Das entscheide der Geheimdienst. Der spanischen Tourismusindustrie beschere ihr Besuch einen Werbeeffekt im Wert von einer Milliarde Dollar.

Manche deutsche Medien haben diese Wendung offenbar übersehen. Sie stellen die Kritik heraus. Noch am Montag behauptete, zum Beispiel, Spiegel Online, Michelles Spanienreise sei „ein PR-Desaster“ in den USA. Sie belaste das Ansehen des Präsidenten. Als Beleg diente der parteiische Beitrag der konservativen Kolumnistin in den „New York Daily News“ vom vergangenen Mittwoch.

Tatsächlich verhält es sich umgekehrt. Michelle Obama ist anhaltend populär. Nach der letzten Umfrage genießt sie 69 Prozent Zustimmung. Sie stützt damit auch ihren Mann Barack, den nur noch 45 Prozent positiv beurteilen. Am Sonnabend reisen die Obamas nach Florida, um auch dort der Tourismusindustrie zu helfen, die unter der Ölpest gelitten hat.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben