Spannung in der Linkspartei : Linken-Chefs zu Wahlkampf ausgeladen

In Mecklenburg-Vorpommern wird Anfang September gewählt. Die Linke kämpft um die Sitze im Schweriner Landtag vorzugsweise alleine. Auf Unterstützung von Linken-Chef Klaus Ernst will sie am liebsten verzichten.

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Auf ihn wollen die Parteigenossen in Mecklenburg-Vorpommern im Wahlkampf gerne verzichten.
Auf ihn wollen die Parteigenossen in Mecklenburg-Vorpommern im Wahlkampf gerne verzichten.Foto: dapd

Die Sommertour des Linken-Parteivorsitzenden Klaus Ernst ist zu Ende; die Nachlese dazu endet – wieder einmal – im Streit. Zehn Tage lang war Ernst im Juli unterwegs in der Republik, zahlreiche Termine absolvierte er auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo am 4. September ein neuer Landtag gewählt wird. Er sprach etwa in Stralsund zur Programmdebatte und beim Wildtierland Klepelshagen. Am Wochenende veröffentlichte die Zeitung „Junge Welt“ Teile eines Mail-Wechsels zwischen dem Bundesvorsitzenden und dem Linken-Chef von Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn. Klar wird: Wirklich willkommen war Ernst bei der Führung der Nordost-Genossen nicht.

Bockhahn bezog sich auf „neuerliche Entgleisungen“ von Ernst in einer Sitzung der Bundestagsfraktion kurz vor der Sommerpause. Der Streit um die Nahostpolitik war damals eskaliert, der Vorsitzende hatte mehrere Abgeordnete angebrüllt. Er werde, schrieb Bockhahn, „keine Termine mehr mit Klaus Ernst gemeinsam wahrnehmen“ und könne es mit seinem Gewissen auch nicht vereinbaren, Mitarbeiter dazu aufzufordern. Ernst zeigte sich daraufhin „äußerst irritiert“, der Landesvorsitzende erläuterte seine Position in einer Rundmail an Ernst und die Kreisverbände. Zwar versicherte er, nichts unternommen zu haben, „um deine Tour zu verhindern, zu behindern oder zu einem Misserfolg zu machen“. Zugleich betonte er, Ernsts jüngste Äußerungen für untragbar zu halten, dieser habe sich „eines Vorsitzenden unwürdig“ verhalten. „Politisch und kulturell trennt uns einiges“, sein Menschenbild sei „nicht meines“.

Nach Tagesspiegel-Informationen hat auch Ernsts Ko-Chefin Gesine Lötzsch die Genossen in Mecklenburg-Vorpommern irritiert. Sie tauchte bei einer Landesvorstandssitzung, in der es um das Wahlkampfkonzept ging, unerwartet auf, was Teilnehmer als Kontrollbesuch empfanden. Besonderes Interesse an weiteren Wahlkampfeinsätzen von Ernst und Lötzsch haben die Landes-Linken nicht, die würden, wie es hieß, „kaum etwas bringen“. Als prominentes Zugpferd mehrfach im Einsatz ist dagegen der Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Gregor Gysi. Auch Ex-Parteichef Oskar Lafontaine wurde für einen Wahlkampf-Auftritt in Neubrandenburg verpflichtet. Vorrangig sei die Präsentation der Kandidaten aus dem Land, meinen die MV-Linken.

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