Politik : Spannungen vor Beginn des Manövers

Südkorea schwört Norden Rache für Angriff

Christoph von Marschall (mit rtr)

Washington - Kurz vor dem für Sonntag geplanten Beginn des gemeinsamen Seemanövers Südkoreas und der USA spielt Washington dessen Bedeutung herunter. Nordkoreanische Medien warnen dagegen, das Manöver führe die Region „an den Rand eines Kriegs“. China betont, es dulde „keine militärischen Aktionen in unserer ausschließlichen Wirtschaftszone ohne unsere Genehmigung“. Das Manövergebiet liegt innerhalb dieser 200-Meilen-Zone vor Chinas Küste.

Südkorea und die USA wollen mit dem Manöver ihren Willen zur gemeinsamen Verteidigung demonstrieren, nachdem Nordkorea am Dienstag die südkoreanische Insel Yeonpyong beschossen hatte. In Südkorea sind mehr als 20 000 US-Soldaten stationiert und das US-Außenministerium hat aufgelistet, wie regelmäßig Flugzeugträger Südkorea für gemeinsame Manöver besuchen. Die „George Washington“, die mit vier anderen US-Kriegsschiffen zu der Übung kommt, hat ihren Heimathafen in Japan.

Koreaexperten in den USA analysieren: Was auf Laien außergewöhnlich wirken könne, sei lediglich Wiederholung der üblichen Reaktionen aller Beteiligten. Nordkorea habe nach jedem Angriff auf Südkorea behauptet, erst die gemeinsame Reaktion des Südens und der USA erhöhe die Kriegsgefahr und stelle das Waffenstillstandskommen von 1953 in Frage. Von dessen Auflagen wolle sich Nordkorea befreien. China nutze seinerseits jede Gelegenheit, um seine Hoheitsgewässer von zwölf auf 200 Seemeilen auszuweiten. In der Praxis würde das bedeuten, dass kein Schiff sich ohne Pekings Genehmigung im Gelben Meer zwischen der koreanischen Halbinsel und China bewegen darf. Nach amerikanischen Medienberichten ist die US-Regierung enttäuscht, dass China in seiner Erklärung nicht Nordkorea als Schuldigen der jüngsten Gefechte benannte. Druck aus Peking gilt in den USA als bestes Mittel, Nordkorea zu beeinflussen.

Das aktuelle Manöver war im Sommer angekündigt worden, ohne genaues Datum. Den Beginn an diesem Sonntag gab Präsident Obama nach dem Artilleriebeschuss vom Dienstag bekannt. Der Kommandeur der südkoreanischen Marineinfanterie, Yoo Nak Joon, kündigte bei einer Trauerfeier für zwei durch Nordkorea getötete Soldaten „tausendfache“ Vergeltung an. Auch der neue Verteidigungsminister sprach von hartem Vorgehen. Christoph von Marschall (mit rtr)

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