Spannungen zwischen Venezuela und Kolumbien : Hugo Chavez schürt Angst vor Krieg

23.07.2010 17:25 UhrVon Sandra Weiss
  • Der venezolanische Präsident Hugo Chávez ist bekannt für spitze Worte und kuriose Sprüche. Chávez hat schon mehrmals mit rüden Attacken - auch gegenüber ausländischen Staatschefs -... - Foto: dpa
  • "Ich sehe mich verpflichtet, die Beziehungen mit dieser Regierung Kolumbiens abzubrechen, schon aus Selbstachtung." (2010) - Foto: dpa
  • "Ich weine beim Anblick des ruhmvollen Skeletts, das Inspiration für meine Bolivarische Revolution ist." (2010, nachdem Chávez den Sarg des südamerikanischen... - Foto: AFP

Venezuelas Präsident Hugo Chavez hat zum wiederholten Male die Beziehung zum Nachbarland Kolumbien aufgekündigt - und die Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt.

„Die Würde zwingt mich, die Beziehungen zu Kolumbien abzubrechen.” Mit diesen Worten und in Anwesenheit des argentinischen Fußballidols Diego Armando Maradona kündigte Venezuelas Präsident Hugo Chavez am Donnerstag zum wiederholten Male die Beziehung zum Nachbarland Kolumbien auf.

Er ordnete höchste Alarmbereitschaft an der 2200 Kilometer langen gemeinsamen Grenze an und gab den kolumbianischen Diplomaten in Caracas 72 Stunden Zeit, das Land zu verlassen. „Verantwortlich dafür ist Präsident Uribe, der hasserfüllte Handlanger des US-Imperiums, der auf dem Mülleimer der Geschichte landen wird“, fügte Chavez hinzu und warnte, er werde keine Aggression dulden.

„Wenn wir in einen Krieg mit Kolumbien ziehen müssen, dann mit Tränen im Herzen, aber wir werden es tun.“

Es ist die fünfte schwere Krise zwischen den beiden Präsidenten. Auslöser dafür war diesmal der Vorstoß des scheidenden kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Uribe wirft Venezuela vor, die linke Guerilla Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc) zu unterstützen und rund 1500 Guerilleros Unterschlupf zu bieten. Am Donnerstag legte sein Botschafter bei einer OAS-Sitzung entsprechende Dokumente, Videos und Fotos der nach seinen Worten „Freizeitcamps der Farc in Venezuela“ vor und beantragte die Entsendung einer Inspektorenkommission. Chavez bezeichnete die Vorwürfe als „Lügen“ und „Montage“. Sollte es Lager der Farc in Venezuela geben, dann ohne Billigung seiner Regierung.

Uribe, der in den acht Jahren seiner Regierungszeit die Bekämpfung der Guerilla zum obersten Ziel seiner Politik gemacht hatte, will damit das Nachbarland als „Unterstützer des Terrorismus“ international an den Pranger stellen. Gleichzeitig engt er den Spielraum seines Nachfolgers, Juan Manuel Santos, ein. Santos, dessen wichtigstes Wahlkampfversprechen die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation war, liebäugelt mit einer Normalisierung der Beziehungen zu Venezuela, dem zweitwichtigsten Handelspartner Kolumbiens.

Chavez seinerseits steht vor Parlamentswahlen im September, die seine Sozialistische Einheitspartei (PSUV) Umfragen zufolge verlieren könnte. Wirtschaftskrise, Korruption und Kriminalität haben den Rückhalt des Präsidenten nach einer Erhebung des Instituts Hinterlaces auf 41 Prozent sinken lassen. In den vergangenen Tagen ging der ehemalige Oberstleutnant daher zum Angriff über: Er polemisierte gegen die katholischen Kirche, ließ Kritiker verfolgen und einsperren und versuchte, die Kontrolle über den letzten oppositionellen TV-Kanal Globovision zu übernehmen. Der Abbruch der Beziehungen zu Kolumbien ist nach Ansicht des Oppositionellen Julio Borges Teil dieser Strategie und dient als Ablenkungsmanöver von internen Problemen. Sandra Weiss

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