Politik : Spannungsverhältnis

Italiener und Franzosen streiten sich, wer den Stromausfall zu verantworten hat – derweil ist mit weiteren Blackouts zu rechnen

Thomas Migge[Rom]

Jetzt wird gestritten. Franzosen und Italiener schieben sich gegenseitig die Schuld für den Blackout zu, der von Sonntag früh bis in den späten Abend ganz Italien lahm gelegt hat. „Die Stromversorgung hätte sofort wiederhergestellt werden können“, erklärte Andre Merlin von dem französischen Elektrizitätsunternehmen RTE, das seit Jahren Italien mit Strom versorgt. „Wir haben keine Möglichkeit gehabt“, so auch RTE-Sprecher Herve Laffaye, „nach dem Schaden Strom nach Italien zu schicken, weil von dort keine Anfrage dafür kam.“ Klar war am Montag nur, dass ein Viertel der italienischen Energieversorgung ausfiel. Klar ist auch, dass es sich nach Angaben des Innenministeriums nicht um einen Terroranschlag handelt. In den nächsten Tagen, so wurde aus dem Palazzo Chigi in Rom, dem Sitz des Ministerpräsidenten, bekannt, werden sich italienische, französische und Schweizer Energieexperten an einen Tisch setzen und nach den Ursachen für den Blackout suchen. Sie wollen verhindern, dass sich ein ähnlicher Vorfall wiederholt.

Ein Vorfall, der Italien sehr teuer zu stehen kommt. Nach ersten Informationen aus dem Innenministerium starben infolge des Stromausfalls fünf Menschen, die materiellen Schäden belaufen sich auf mindestens 120 Millionen Euro. Ersten Hochrechnungen des Unternehmensverbandes zufolge müssen Tiefkühlprodukte im Werte von 70 bis 100 Millionen Euro vernichtet werden. Eisdielen beklagen voraussichtliche Schäden von mindestens 50 Millionen Euro. Da tausende von Kaffeebars ihre morgendlichen Cappuccinos und Espressos nicht ausschenken konnten, wird damit gerechnet, dass auch vom Verband der Kaffeebarbesitzer eine Schadenersatzforderung bei der Regierung eingehen wird. Rund 70 Prozent des Fleisches, das in Supermärkten auslag, müssen ebenfalls vernichtet werden. Der Bauernverband und andere Verbände von Einzelhandelsunternehmen verlangen vom Staat Schadenersatz.

Regierungschef Silvio Berlusconi, der den Sonntag offenbar ebenfalls ohne Strom verbrachte und einen langen Spaziergang machte, zeigte sich am Montag sprachlos. Es werde, so einer seiner Sprecher, bald einen nationalen Energiegipfel geben. Bis dahin müssen sich die Italiener weiter mit Stromproblemen herumschlagen. Die Elektrizitätskonzerne Enel und Acea kündigten an, dass es auch in den nächsten Wochen zu gefährlichen Energieengpässen kommen werde. So muss, wie schon im Sommer, mit stundenweisen Stromausfällen gerechnet werden.

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