Politik : Sparen, sparen – und erneuerbare Energie

Wie sich Greenpeace die Rettung des Weltklimas vorstellt, und warum dafür keine Atomkraft nötig ist

Dagmar Dehmer

Berlin - Der vierte Klimabericht im Auftrag der Vereinten Nationen wird „Menschen und Regierungen“ hoffentlich „so aufrütteln, dass sie entschlossener handeln“. Das sagte der Chef des zwischenstaatlichen Ausschusses der internationalen Klimaforscher (IPCC), R. K. Pachauri, der Nachrichtenagentur Reuters. In der kommenden Woche wird der Bericht veröffentlicht, der die Forschungsergebnisse von 2500 Wissenschaftlern aus 130 Ländern zusammenfasst. Pachauri rechnet bis zum Ende des Jahrhunderts mit einem durchschnittlichen Anstieg der Temperatur zwischen zwei und 4,5 Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung. Zwei Grad halten Forscher für gerade noch beherrschbar.

Vor diesem Hintergrund veröffentlichten die Umweltorganisation Greenpeace und der europäische Verband der Erneuerbare Energien Industrie (Erec) am Donnerstag in 23 Ländern eine umfassende Studie über die künftige Energieversorgung. Ihre wichtigste Botschaft: Das Zwei-Grad-Ziel ist erreichbar, wenn schnell gehandelt wird. Bis 2050 könnte die Hälfte der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen vermindert werden, wenn Energie effizienter eingesetzt und sowohl die Atomenergie als auch ein großer Teil der Kohle durch erneuerbare Energien ersetzt würden.

Die Internationale Energieagentur (IEA), deren Prognosen das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrttechnik im Auftrag von Greenpeace als Vergleichsszenario für eine Fortsetzung der bisherigen Entwicklung verwendete, geht davon aus, dass sich der weltweite Energieverbrauch bis 2050 nahezu verdoppeln wird. Dagegen rechnet die Greenpeace-Studie „Energie-Revolution“ damit, dass sich der Energieverbrauch auf dem heutigen Niveau halten lässt, wenn der Mehrbedarf durch Energieeffizienz herausgeholt wird. Die Hälfte der dann noch bestehenden Nachfrage könnten erneuerbare Energien decken. Die größte Rolle spielt in dem Szenario die Biomasse, aber auch Sonne, Wind und Wasserkraft haben beträchtliche Anteile an der Versorgung. Als einzige fossile Energie mit einer größeren Rolle sehen Erec und Greenpeace in 47 Jahren das Erdgas an. Zum einen weil Erdgas bei der Verbrennung viel weniger Kohlendioxid (CO2) freisetzt als Steinkohle oder gar Braunkohle, auf die in diesem Szenario dann völlig verzichtet wird. Zum anderen könnte Erdgas nach 2050 durch Biomasse-Kraftstoffe ersetzt werden. Der Ölverbrauch ginge auf etwa die Hälfte zurück. Das Öl käme vor allem im Verkehr zum Einsatz. Der Rückgang erkläre sich damit, dass die Fahrzeuge viel effizienter wären als heute. Jörg Feddern von Greenpeace ging in Berlin davon aus, dass dann die Autos im Schnitt vier Liter auf 100 Kilometer verbrauchen würden.

Die Studie zeigt für zehn Weltregionen, wie ein Umstieg auf eine klimafreundliche Energieversorgung möglich wäre. Jedoch weiß Erec-Direktor Oliver Schäfer, dass dieser Umstieg derzeit unwahrscheinlich ist. Dass es „weltweit verbindliche Ziele für den Anteil erneuerbarer Energien“ geben wird, wie er fordert, wäre ziemlich überraschend. Schäfer und Feddern ging es um die Botschaft: Technisch und wirtschaftlich ist eine klimafreundliche Energieversorgung ohne Atomkraft möglich. „Man muss nur wollen“, meinte Feddern.

Daran hapert es nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA. Zwar hat Präsident George W. Bush in seiner Rede zur Lage der Nation zum ersten Mal anerkannt, dass der Klimawandel ein Problem ist. Doch besonders dringend scheint er es nicht zu finden, spottet die „New York Times“. Das Worldwatch Institute kritisiert Bushs Ankündigungen als „unzureichend“. Der Chef des UN-Umweltprogramms (Unep), Achim Steiner, lobte zwar, dass Bush das Problem endlich anerkannt habe. Gleichzeitig lobte er das neue Klimaziel der Europäischen Union als das „wichtigste Signal in der Klimadebatte der vergangenen zwei Jahre“.

Die vollständige Studie finden Sie auf Deutsch im Internet: www.greenpeace.de/masterplan

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