Politik : Spargelspitzen

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wie viel Raum in der SPD gibt es eigentich rechts von den „Seeheimern“? Viele Sozialdemokraten würden auf diese Frage antworten: Ach, da haben so viele Parteifreunde Platz wie auf dem Kopf einer Stecknadel, also gar keine. Denn die Seeheimer verstehen sich selbst zwar als Reformflügel der SPD, wie ihr scheidender Sprecher Reinhold Robbe am Dienstag bei der Vorstellung seiner Nachfolger klarstellte, gelten aber als Rechte und Konservative. Beliebt sind sie, weil sie jährlich zum Spargelessen laden. Deshalb war es wohl scherzhaft gemeint, als Johannes Kahrs, einer von drei neuen Seeheimer-Sprechern, Robbe ins Wort fiel, als der gerade über Klaus Uwe Benneter sprach. Der künftige Generalsekretär, in seiner Stamokap-Jugend bekanntlich weit entfernt von den Seeheimer-Vorgängern, war zuvor mit viel Beifall begrüßt worden. Robbe jedenfalls überlegte gerade, wo wohl der politische Standort Benneters sei, als Kahrs rief: „Rechts von den Seeheimern.“ Das freilich konnte der Noch-Sprecher so nicht im Raum stehen lassen. „Ich weiß wohl, dass es die Gerüchte gegeben hat, dass es da in der Vergangenheit einige Sachen gegeben habe“, meinte Robbe ironisch und mit typisch-norddeutsch rollendem „R“. Aber das sei historisch nicht bewiesen, und im Bundestag habe er Benneter als „sehr, sehr pragmatischen und vernünftigen Kollegen“ kennen gelernt: „Eigentlich ist er Seeheimer.“ Aber künftige Generalsekretäre dürfen sich nun einmal nicht ganz vereinnahmen lassen, weshalb Benneter einschränkte: „nur beim Spargelessen.“ Zumindest weiß nun jeder, wo der künftige General steht, wenn es darum geht, wohlschmeckendes Gemüse zu vernichten: rechts vom Spargel.

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