Sparklausur : Koalition will auch am Sozialen sparen

05.06.2010 19:38 UhrVon Antje Sirleschtov

Die Bundesregierung will den Staatshaushalt auch über Einsparungen im Sozialbereich sanieren. Eine Anhebung der Einkommens- oder Mehrwertsteuer soll es hingegen nicht geben.

Berlin - Vor der am heutigen Sonntag beginnenden Sparklausur ging Bundeskanzlern Angela Merkel (CDU) erkennbar auf Distanz zu Forderungen nach Steuererhöhungen aus ihrer eigenen Partei. Die FDP will bei dem Regierungstreffen, das bis Montagmittag andauern soll, unter anderem das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger abschaffen. Zur Einhaltung der Schuldenbremse im Grundgesetz muss die Koalition jährlich zehn Milliarden Euro sparen.

Merkel sagte am Samstag, es sei „unabdingbar, dass wir in dem Verhältnis von Zukunftsinvestitionen zu Sozialausgaben eine neue Austarierung machen“. Das könne „nicht einfach dadurch geschehen, dass man immer die Einnahmenseite erhöht, sondern das muss dadurch geschehen, dass man dann auch Strukturen der sozialen Sicherheit effizienter macht“.

Die FDP kündigte an, sämtliche Sozialleistungen, die Union und SPD bis 2009 eingeführt haben, auf den Prüfstand zu stellen. „Nicht alle sozialen Wohltaten der großen Koalition können wir uns heute noch leisten“, sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner dem Tagesspiegel. In der Sparklausur wollen die Liberalen daher jede Maßnahme kritisch prüfen. Vorwürfen, die FDP wolle den Sozialstaat schleifen, trat Lindner entgegen. Die FDP wolle lediglich die sozialen Standards auf das Niveau der Schröder-Regierung bringen. „Was unter Rot-Grün sozialer Standard war, kann man ein paar Jahre später schwerlich als sozialen Kahlschlag kritisieren.“ Außerdem würden der Wirtschaft Subventionen gestrichen und die Finanzbranche stärker besteuert.

Konkret drängt die FDP darauf, Hartz-IV-Empfängern in Zukunft kein Elterngeld mehr zu zahlen, die längere Bezugsdauer des lohnbezogenen Arbeitslosengeldes I für ältere Arbeitslose wieder abzuschaffen und die Zusatzzahlungen für Ältere beim Übergang vom ALG I in Hartz IV zu streichen. Letzteres wird auch in der Union befürwortet. Dass Langzeitarbeitslose zusätzlich zu ihrer Grundsicherung 14 Monate lang 300 Euro monatlich Elterngeld erhalten, bezeichnete Lindner als „systemwidrig“. Man könne „niemandem erklären“, dass Arbeitslose eine Lohnersatzleistung erhalten sollen, die für erwerbstätige Menschen gedacht ist, die Kinder bekommen. Zur Kürzung der längeren Bezugsdauer von ALG I bei Älteren sagte Lindner, die Arbeitslosenversicherung sei „eine Risikoversicherung und keine Sparversicherung“.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) plädierte für eine Reduzierung der Ausnahmen, für die der vergünstigte Mehrwertsteuersatz von derzeit sieben Prozent gilt. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich sagte „Bild am Sonntag“, man müsse über eine – zumindest vorübergehende – Erhöhung des Steuersatzes für jene nachdenken, „die weit mehr als der Durchschnitt verdienen“. Dies dürfe „kein Tabu sein“. FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle widersprach. Von Steuererhöhungen halte er nichts, sagte er dem Tagesspiegel. Wegen der schwachen Konjunktur seien Steuersenkungen verschoben worden. „Aber noch in dieser Legislaturperiode müssen Schritte zur steuerlichen Entlastung folgen.“

Im Streit um den Umbau der Krankenversicherung wurde CSU-Chef Horst Seehofer von der Kanzlerin in die Schranken gewiesen. Anders als Seehofer in einem Interview mit dem „Spiegel“ gesagt hatte, sei „über die Ausgestaltung eines zukünftigen Sozialausgleichs noch keine Entscheidung getroffen“, sagte Regierungssprecher Wilhelm am Samstag.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite