Politik : Sparvorschlag

Antje Sirleschtov

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Sehr geehrter Herr Eichel, als Finanzminister haben Sie uns zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld aufgerufen. Sie forderten Kritiker ihrer Sparvorschläge auf, Alternativen zu benennen. Da wir uns zu denen zählen, möchten wir jetzt Vorschläge machen. Denn kein anderer als der Chef der bayerischen Staatskanzlei hat uns auf die Idee gebracht, wie Sie, Herr Eichel, Geld sparen können. Bayern, das behauptet jedenfalls Erwin Huber, habe die größte Wirtschaftskraft in Deutschland, habe die höchsten Steuereinnahmen und habe deshalb einen „Anspruch“ auf Teilhabe an technischen Entwicklungen. „Wir wollen auch einen Transrapid“, könnte man Hubers Worte frei übersetzen.

Nun wissen wir ja, dass auch Nordrhein- Westfalen einen solchen Schnellzug durch sein Land brausen sehen will. Sie als Finanzminister mussten noch vor ein paar Monaten, als den Zug offenbar niemand so dringend brauchte, Interessenten mit 2,3 Milliarden Euro Bundeszuschuss locken. Nun haben die Düsseldorfer (vor Ort) und die Münchner (im Fernsehen) jedoch in China gesehen, wie schön so eine High-Tech- Lock aussieht, wenn sie durch die Landschaft düst. Auf einmal möchte auch hier zu Lande jeder mitfahren. Selbst Berliner und Hamburger Augen begannen schon zu glänzen.

Wozu, fragen wir uns deshalb, müssen Sie jetzt noch einen milliardenschweren Köder auslegen. Wenn die technische Entwicklung Transrapid so begehrt ist, dann werden sich alle darum drängeln, beim Bau dabei zu sein. Wahrscheinlich löst der Zug sogar einen neuen Investitionsboom in Deutschland aus. Und Sie, Herr Eichel, haben 2,3 Milliarden Euro gespart. Na, wie wär’s damit? Freundlichst,

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